Das Loch

Da gibt es ein Loch in der Tür. Es handelt sich nicht um das Schlüsselloch und es besteht inzwischen seit gut zwanzig Jahren. Ganz schön lange her und noch immer kaputt. Vielleicht ist es an der Zeit die Türe zu tauschen um Erinnerungen daran für alle Zeit auszulöschen.

Seinerzeit war die Zwergin Ukalele noch mit Lelelaku verheiratet. Nach mehreren Kindern hatte sie inzwischen die Lust auf ihren Mann verloren, zumal sie ihn auch gar nicht mehr riechen konnte. Sie hatte eine viel zu empfindsame Nase. Lelelaku rauchte sehr viel und trank mehrere Liter Bier am Abend. Könnt ihr euch diesen Geruch vorstellen? Ukalele war es demnach nicht zu verdenken, dass sie diesen Mann schlichtweg nicht mehr riechen konnte.

Eines Abends kam Lelelaku nach Hause und erhob Anspruch auf Ukalele und ihre „eheliche Pflichten“. Ukalele ekelte es vor ihrem Mann und weigerte sich der auferlegten Pflicht nachzukommen. Daraufhin war Lelelaku so erbost, dass er der Tür zum Schlafzimmer einen Tritt mit der Ferse verpasste. Seit dem ist an dieser Stelle ein Loch in der Tür. Ukalele jedoch ergab sich an diesem Abend ihrem Mann und wurde schwanger. Damit hatte sie nicht gerechnet, aber die Natur hält mitunter Überraschungen bereit.

So gingen die Jahre ins Land. Das Kind, ein Junge, wuchs heran und machte ihr viel Freude. Er, Luluku,  war anders als die Geschwister – schwieriger, jähzornig. Und dennoch liebte sie dieses Kind, denn er war auch immer ein Sonnenschein. Zumindest solange alles nach seiner Zufriedenheit ablief.

Eines Tages hatte Ukalele heftigen Streit mit Lelelaku und er schlug sie in seiner Trunkenheit sehr heftig. Die Kinder waren zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise nicht zu Hause. Als sie am nächsten Tag zurück kamen sahen sie mit Schrecken ihre Mutter an. Luluku, inzwischen neunjährig, grinste seine Mutter an und meinte boshaft, dass sie es wohl gebraucht hätte. Ukalele überhörte es und ging auf die Boshaftigkeit nicht ein.

Die Jahre vergingen, Ukalele war inzwischen geschieden und lebte mit ihren Kindern alleine in ihrer Hütte. Mit Müh und Not schaffte sie es alles am Laufen zu halten.

Die Kinder wuchsen heran und gingen immer mehr ihre eigenen Wege. Luluku war mit seinen fünfzehn Jahren ein sehr aufmüpfiger Mensch, der laufend Probleme machte, die seiner Mutter sehr zusetzten. An seinem Geburtstag verärgerte er seine Mutter sehr. Mit einem Fingerzeig auf das Loch in der Tür gab sie ihm zu verstehen, dass er nicht auf der Welt wäre, wenn es dieses Loch in der Tür nicht gäbe. Diese Aussage schmerzte sie selbst sehr – schon in dem Augenblick, in dem sie es ausgesprochen hatte. Von da ab war ein Riss in ihrer sowieso schon brüchigen Beziehung und dies hielt sehr lange an. Würde sie es je schaffen diesen Faux Pas auszuräumen?

©UMW


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