Verschenkte Zeit

In vielen Bereichen wird oft Zeit „verschwendet“. Sei es im beruflichen oder im privaten Bereich. Dass es sich im beruflichen schwieriger gestaltet, weil der Verdienst und die Lebensqualität davon abhängen, ist verständlich.

Im privaten Bereich kenne ich es aus eigener Erfahrung, dass ich mich später frage: Warum eigentlich?

Meine fünf Jahre jüngere Schwester hat zwanzig Ehejahre geschafft bevor sie sich aus der Ehe befreien konnte, eine Freundin gar 25 Jahre. Auffällig bei beiden ist, dass sie sehr jung geheiratet haben – mit knapp zwanzig Jahren und dann auch recht schnell ein Kind da war. Ich war Mitte zwanzig, schwanger und nach elf Jahren war die Ehe vorbei. Zumindest auf dem Papier. Die letzten fünf Jahre waren es nicht Wert als Ehe bezeichnet zu werden. Die Luft war bereits raus und die Gemeinschaft nur noch der Kinder wegen – schließlich waren es inzwischen drei! – zumindest von meiner Seite.

Ich stelle fest, dass viele Menschen in Beziehungen „hängen“ bleiben, obwohl ihnen diese nicht gut tut. Heute habe ich erst mit einer Freundin gesprochen, die knapp zehn Jahre Beziehung hinter sich hatte und dann auch noch drei Jahre brauchte um sich emotional zu lösen. Im Nachhinein versteht sie das selbst nicht mehr. Sie wusste, dass es für sie falsch war und doch blieb sie.

Warum bleibt der Mensch in solchen Konstellationen hängen? Warum tun wir das? Warum begeben wir uns in eine Abhängigkeit? Wir leben in einer aufgeklärten Zeit und haben ein soziales Netz, welches uns auffängt, wenn es – gerade für uns Frauen mit Kindern – einmal etwas eng wird.

Meine Singlezeiten waren für mich geprägt mit Lernen, Leben(s)erfahrung, vielen schönen Freundschaften und dem eigenen Wachstum. Ja, es hat mich in vielen Dingen auch „hart“ gemacht. Ich bin oft gegen eine Mauer gelaufen, hingefallen und immer wieder aufgestanden. Auch das macht das Leben erst lebenswert. Ganz ehrlich: Lieber kämpfe ich, für mich und die meinen, als in irgendeiner Art Beziehung fest zu stecken, von der ich spüre, dass sie mir schadet.

In diesem Sinne: Ein Hoch auf sinnvoll genutzte Zeiten! Mit oder ohne Partner 🙂

©UMW


5 Gedanken zu “Verschenkte Zeit

  1. Ich bin ganz bei Dir. Die Zeit als Single habe ich intensiv genutzt, bin immer in diesen Zeiten an mir selbst gewachsen. Auch mit meinem Nachzügler wuchs ich noch enger zusammen. Wir waren (und sind es noch) ein „Dreamteam“. Ich möchte diese Zeit nicht missen, in der ich einiges über mich erfahren habe.
    Auf FB gab es von mir mal eine Aphorismen-Sammlung „Die gute Einsamkeit“ – so nenne ich diese Zeit.
    Viele herzliche Grüße
    Sylvia

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      1. Wenn Du magst, schicke ich Dir alle Fotos mit Zitat (ich arbeite mit Fotografen zusammen) per PN auf FB. Wenn Du eine FA schickst, bitte eine kurze PN an mich schicken. Ich bin vorsichtig bei Anfragen geworden. 💜

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  2. Im Nachhinein ist man immer schlauer. Man hält hauptsächlich an diesen Beziehungen fest um die Familie nicht zu zerstören, denn gerade für die Kinder, egal welchen Alters, bricht doch dann eine meist heile Welt zusammen.
    Ich verließ meine Frau auch erst nach 20 Jahren. Mit mindestens 5 Jahre zu spät!

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    1. Das ist wohl wahr! Schlussendlich tut man niemand etwas Gutes. Die Kinder spüren auch die Schwingungen dazwischen. Insofern belügt man sie, und sie können es nicht „fassen“.

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