Polterabend

Das waren Zeiten, als wir in unserer Stadt durch die Kneipen gezogen sind. Wir wohnten gerade zehn Häuser voneinander entfernt. Unsere Väter waren schon miteinander befreundet und so hat sich auch für uns eine langjährige Freundschaft entwickelt. Eine Freundschaft, die auch heute noch andauert. Meine längste Freundschaft und wohl auch die intensivste. Was wir schon alles mit einander erlebt haben!

Tja, und dann hatte sie eine neue Liebe, einen Musiker. Das beste an ihm, aus meiner damaligen Sicht: Wir waren auf vielen Parties und konnten tanzen bis zum Abwinken.

Nach etwa einem Jahr, ich weiß es nicht mehr so genau, kam das unvermeidliche. Die beiden hielten es für die große Liebe und wollten heiraten. Weil es so üblich war, sollte es davor einen Polterabend geben für Familie und Freunde. Für mich hieß das zu überlegen, was es lustiges geben könnte, ihr den Zugang zur Wohnung – ins Schlafgemach – zu erschweren. Mit einer gemeinsamen Freundin hatte ich die Idee. Einmalig war sie und wurde meiner Meinung nach niemals kopiert. Unterstützung fanden wir damals bei ihrem Bruder. Da beide Freundinnen und der Bruder als Zahntechniker arbeiteten ließ ich mir Gipsmodelle geben, die nicht mehr gebraucht wurden. Das versteht sich ja von selbst, oder? Es waren viele Gebisse, die ich da bekam…

gispzahne
Bild aus Fotolia

Dann war es soweit. Polterabend. Geschirr wurde zerschlagen und sogar Kloschüsseln aus Porzellan (das hatte ich vorher noch nie erlebt!). Was da an Porzellan auf den Pflastersteinen zerschellte war schon immens. Das Brautpaar hatte fleißig die Scherben auf einen Haufen zusammen gekehrt. Dann gab es immer wieder ein paar besonders Freche, die den Haufen wieder auseinander räumten. Das war wirklich nicht fein! Wie jeder andere Abend auch, ging auch dieser zu Ende. Nach dem das Buffet geleert war und die Getränke zur Neige gingen, war es Zeit dass die Liebenden in die Wohnung gingen.

Da lagen sie nun, die Gipsgebisse. Auf der Treppe nach oben, in Wasser schwimmend hatte sich der Gips teilweise wieder verflüssigt. O.k., nur die Unterseite der Modelle! Es sah lustig aus, die vielen Gebisse auf der Treppe. Die grinsten irgendwie.

Endlich waren die Beiden in der Wohnung, verfolgt von einigen hartnäckigen Gästen. Bei Eintritt ins Schlafzimmer wurden die beiden mit Reis geduscht (ein Becher kippte beim Betreten herunter) und das Bett war voll mit Luftballons. Welch ein Spaß das war brauche ich nicht zu erzählen.

Ob die Ehe gehalten hat? Sie währte nur kurz, sehr kurz.

Nein, die Rache kam für mich nicht! Ich hatte keinen Polterabend 😉

©UMW


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.