Felsenbrecher

Nächtliche Ruhe war eingekehrt. Sämtliche Badegäste waren verschwunden. Es war leer am Strand. Der Mond stand schon hoch am Himmel und tauchte den Sand in silbriges Licht.

Eliza liebte es alleine am Uferrand entlang zu laufen. Ihre Espandrilles hielt sie locker in der Hand und hinterließ tiefe Fußspuren im Sand, die von leisen Wellen mit Wasser gefüllt und wieder versandet wurden. Vor sich hin summend ging Eliza zur ihrem Felsen. Es erforderte etwas Übung da hinauf zu kommen, dafür hatte sie oben einen sehr bequemen Sitz. Der Fels war an ihrer Sitzstelle sehr glatt und bot eine Art Lehne. Eliza machte es sich bequem und suchte ihren Stern am Himmel, lächelte kurz hoch und lauschte dann dem Klang der Wellen. Es hatte etwas Beruhigendes.

Der Wind drehte und das Wasser kam in immer größeren Wellen herein und brach sich am Fels. Immer höher wurden die Wellen. Die Gischt erreichte Eliza, die ruhig auf ihrem Fels zu sitzen schien. Das inzwischen tobende Wasser hatte sich zu wahren Felsenbrechern entwickelt.

Die nächste hereinbrechende Welle zog die Frau mit in die Tiefe und spülte sie ins offene Meer hinaus. Eliza stellte fest, dass sie da unten atmen konnte und sah einen Nixenschwanz, der sich kraftvoll im Wasser bewegte. Mit Erstaunen wurde ihr klar, dass es ihr Nixenschwanz war. Ungewöhnliche Freude nahm von ihr Besitz. Spielerisch verfolgte sie einen kleinen Hai und anderes Wassergetier. Der Mond spendete Licht in dem Dunkel, das ihr gar nicht so finster vorkam. Eliza beobachtete die Wellen, ließ sich von ihnen treiben und versuchte sogar auf dem Wellenkamm zu reiten. Dieses Gefühl der Einheit mit dem Wasser machte sie glücklich. Nach einigen Stunden des Spiels, die Wellen hatten sich beruhigt, suchte sie sich ein Plätzchen am Ufer.

Die Vögel stimmten gerade ihr Morgengezwitscher an und das Morgenrot löste die Nacht ab. Eliza streckte sich in ihrem Felsensitz durch, so gut es eben ging und kletterte den Felsen hinunter. Es war Zeit nach Hause zu gehen…

©UMW


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