Die Rechnung

Bei allem, was wir machen, sollten wir wohl überlegt handeln. Es könnte sonst zu einer Änderung kommen, die uns wenig behagt.

Nach vielen Frustjahren in der Ehe packte Paulyne ihre Koffer und ging. Warum sie gefrustet war, konnte sie nicht sagen. Eigentlich fehlte es ihr an nichts. Eigentlich…

Sie verließ einen Mann, zwei kleine Kinder und ein Leben, in dem sie sich nur um den Haushalt zu kümmern brauchte. Was sie genau wollte, war ihr nicht wirklich bewusst. Sie ging.

Nach einigen Wochen kam sie zurück. Entweder hatte sie ihr schlechtes Gewissen nach Hause geschickt oder die Kopfwäsche durch ihre Freundin, bei der sie Unterschlupf gefunden hatte. Sie war wieder da…

Um ihren Mann zu überzeugen zog sie sämtliche Register. Verwöhnte ihn und übernahm wieder ihre Pflichten als Mutter und Ehefrau. Wie viele wissen, konnte das nur eine gewisse Zeit gut gehen. Nach einer Weile schwamm alles wieder im alten Fahrwasser. Beide taten ihr möglichstes um den Kindern eine Familie zu bieten. Allerdings lebten sie mehr oder weniger nebeneinander und schafften so tatsächlich weitere zehn Ehejahre.

Er war ein fleißiger und zuverlässiger Mann, der das Geld nach Hause brachte. Dazu war er immer treu. Er hätte allen Grund gehabt sich nebenher ein Abenteuer zu gönnen. Nähe und Sex gab es nur selten und „Fremdgehen“ unterstellte sie ihm sowieso laufend. Die Familie war ihm jedoch viel zu wichtig und seine Zeit zu knapp, so beließ er es hin und wieder bei einem unverbindlichen Flirt.

Irgendwann lernte Paulyne über Internet einen Mann kennen. Die ersten Wochen fuhr sie zweigleisig, dann trennte sie sich von ihrem Ehemann. Trotzdem durfte sie vorübergehend im gemeinsamen Haus leben bleiben, da der „Neue“ sie zu dem Zeitpunkt noch nicht so fix bei sich haben wollte. Sie schlief weiterhin im Schlafzimmer und überließ dem Arbeitstier großzügig eine Couch im Arbeitszimmer. Als Gegenleistung ließ sie den Haushalt schleifen; den übernahmen dann großteils die im Haushalt lebenden Männer. Trotz dem sie von Tisch und Bett getrennt waren, kochte sie hin und wieder – zumindest Fertiggerichte. Im Laufe der Zeit übernahmen die anderen Familienmitglieder immer mehr die Zubereitung ihrer Mahlzeiten selbst, denn sie kochten gerne und mit Genuss.

Nach zwei Jahren Trennungszeit kam dann endlich die Scheidung. Sie lebte bis zum Schluss im gemeinsamen Haus. Das Haus wurde verkauft, so gab es keinerlei Möglichkeit für Paulyne hier noch weiter kostenfrei zu wohnen. Der Ernst des Lebens begann und die Eigenverantwortung dafür. In den letzten Monaten hatte ihre neue Beziehung das zeitliche gesegnet. Lange wollte sie es nicht wahrhaben und hatte immer gehofft, bei diesem Mann eine neue Zukunft zu haben.

Paulyne war seit mehreren Jahren ohne Arbeit und ihre Bemühungen wieder in Arbeit zu kommen, waren recht sparsam. Dabei hätte sie jede Unterstützung hierzu von der Familie haben können, um etwas Adäquates zu finden. Sie schlug alles aus. Ihre Gedanken waren nur auf den neuen Mann ausgerichtet. Er war gut situiert und könnte ihr ein sorgenfreies Leben bieten. Warum also arbeiten?

Der Gehörnte hatte inzwischen selbst eine neue Frau gefunden, mit der er glücklich war. Dieses Glück konnte Paulyne nicht ertragen und versuchte mit allen Mitteln diese Liebe zu stören. Sie war sich nicht zu schade und versuchte ihn sogar mit einer erotischen Komponente zu ködern. Nachdem sie aber nicht nur den Haushalt schleifen ließ sondern auch wenig auf sich achtete (schlechte Ernährung, Rauchen, keinerlei Bewegung) war dieses Ansinnen ein Leerlauf.

Für Paulyne nahm es ein Ende, mit dem sie nicht gerechnet hatte. Sie hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht! Da sie zu lange aus dem Beruf heraus war und im Einzelhandel bevorzugt junge Frauen beschäftigt wurden, bekam sie lediglich eine Anstellung als Hilfskraft. Heute wohnt sie bei ihrer Mutter in der Nähe von Berlin, eine eigene Wohnung kann sie sich nicht leisten.

Die Kinder vermieden den Kontakt zur Mutter und lebten glücklich bei ihrem Vater.

©UMW

Nachsatz: Diese Geschicht ist fiktiv, beruht jedoch auf vielen Beobachtungen. Sollte sich jemand angesprochen fühlen, dann ist es so. Bedenke, dass jeder selbst für sein Leben verantwortlich ist. Mit jeder Reaktion lösen wir eine Aktion aus, die sich immer weiter fortsetzt.


11 Gedanken zu “Die Rechnung

      1. Ja, das kommt vor allem nd ich finde es gut, dass Du für uns Männer Stellung beziehst.
        Ich kenne es aber auch anders herum, dass Männer ihre Frauen abziehen und was nicht viel schlimmer ist, nicht für ihre Kinder zahlen!

        Ich sage immer, dass es auf den Charakter der Partner ankommt. Im Falle einer Trennung werden viele sehr egoistisch und falsch.
        Einige aus Angst und andere aus reiner Berechnung.

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      2. Da stimme ich voll zu. Der Vater meiner Kinder hat auch selten seinen Unterhalt gezahlt.
        Bei einer Scheidung zeigt sich der Charakter

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      3. Siehst Du? Das kann ich gar nicht nachvollziehen!
        Ich habe für meine Kinder immer richtig viel Unterhalt bezahlt!
        Mit dem Hintergedanken, dass die Mutter das Geld für teure Klamotten und Friseurbesuche ausgibt, habe ich das auch nur ungern getan.
        Letztendlich hatten die Kinder aber ein gut situiertes Leben.
        Zum Dank hat die Mutter mich bei ihnen schlecht gemacht und eins der Kinder hat mit 16 den Kontakt zu mir abgebrochen.
        Alles Schei…. so Trennungen!!!!

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      4. Das aufhetzen der Kinder ist das schlimmste überhaupt… Kinder werden erwachsen und sollten dann ihre eigene Meinung vertreten und das auch können.
        Wenn wir den Kindern etwas falsches vorleben, ist das schlecht für deren später Partnerschaften.
        Obwohl bei uns Geld immer knapp war ist aus meinen Kindern etwas vernünftiges geworden 😉

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      5. Diese Eltern wissen nicht, welchen Schaden sie den Kindern zufügen, wenn sie den anderen Elternteil schlecht machen!
        Das schadet den Kindern ein Leben lang! Wie sollen die jemals einem Menschen voll vertrauen können. Das wird auch ihre Beziehungen immer belasten.

        Ich habe mir nach der Trennung große Vorwürfe gemacht, weil meine Ex den Kindern das angetan hat.
        Damals dachte ich, dass ich Ihnen die Mutter nicht nehmen will, aber mittlerweile bereue ich, dass ich die Kinder bei ihr gelassen habe. 😕

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