Seifenblasenwelt

Afra sah sich in ihrem Zuhause um. Es war eine riesig große Seifenblase, in der sie seit einer Weile schon lebte. Die Blase schillerte in sämtlichen Regenbogenfarben. Sie konnte nach draußen sehen, war aber von dem da draußen geschützt.

Die Welt lag in einem Scherbenhaufen. Die Kälte der Menschen machte sie krank. Es gab nur noch wenige, die aufrichtig waren. Die meisten Homos waren nur noch auf sich bedacht. Gefühle waren so tot, wie die Welt grau. Das Lachen dieser Geschöpfe klang künstlich und blechern, dass einem ein kaltes Grauen überkam. Afra konnte nicht mit ansehen, wie die Wesen da draußen sich belogen und betrogen. Es war der Sport, der seit Jahren betrieben wurde und sie unglücklich machte. Das Farbenfrohe und Bunte war abgestorben, es herrschten nur noch sämtlichen Grauschattierungen und Schwarz vor. Die einzigen Vögel, die überlebt hatten, waren lautstarke Krähen.

In der Seifenblasenwelt erhellte Afra das Licht, damit keine dunkle Strahlung zu ihr durchdringen konnte und sie den Tod da draußen nicht mehr sehen musste. In ihrer kleinen Welt schien eine gelbe Sonne und es wuchs ein wunderschöner grüner Baum. Dieser Baum trug ganz viele Samen, die kurz vor dem Platzen waren. In den letzten Jahren hatte die Elfe diesen Baum groß gezogen und mit viel Liebe versorgt. Nun war es an der Zeit eine gute Stelle zu finden um die Saat auf die Erde regnen zu lassen. Es brauchte jedoch eine Stelle, die fruchtbar genug war um die Samen aufzunehmen und aufblühen zu lassen. Ihre gefiederten Freunde zwitscherten aufgeregt und bewegten die Blase in Richtung eines Berges. Am Fuße des Berges war ein sumpfiges Gebiet, in dem sich die Samen schnell ausbreiten konnten. Das sollte also ihr Ziel sein.

Ein Vollmond hing groß und schwer am Himmel. Ein gelblicher Schatten lag als Ring um ihn herum. Der runde Mond strahlte kalt. Die blattleeren Äste eines uralten Baumes reckten sich in die Luft. Afra steuerte diesen Baum an, um mit der Blase darin zu parken und auf die Zeit zu warten, wenn sich die Morgenröte am Himmel zeigte und die Nachtschwärze ablöste. Dann war die Zeit reif für ihr Vorhaben.

Die Zeit bis zum Zwielicht verbrachte Afra damit sich in ein Festgewand zu kleiden und Vorbereitungen für dieses große einmalige Ereignis zu treffen. Afra erstrahlte in einem orangegelben langen Kleid mit einer grünen Schärpe. Ihre langen blonden Locken hatte sie mit einem grünen Schal zurück gebunden. Die blau strahlenden Augen in dem schmalen Gesicht beobachteten, wie die Morgenröte im Osten über den Rand kroch. Die Freude war der Frau anzusehen. Langsam öffnete sie die dünne Haut der Seifenblase, hielt aber die Sämereien noch zurück, die schon ungeduldig nach draußen drängen wollten.

Nun nahm sie ihren Kelch, der bis zum Rand mit einer roten Flüssigkeit gefüllt war, segnete die Zukunft und entließ das nach draußen Strebende in die Freiheit. Kaum, dass die Samen die Seifenblase verlassen hatten, öffneten sich diese und fielen als rote dicke Tropfen in Herzform zu Boden. Sobald sie in Verbindung mit der sumpfigen Erde kamen, gab es eine explosionsartige Reaktion. Es war wie ein Feuer, das sich um den Globus in einer Windgeschwindigkeit ausbreitete, dass viele gar nicht wussten wie ihnen geschah.

Mit einem Schlag war die Welt wieder farbig und hell. Menschen, die von den Samen getroffen wurden, fingen grundlos zu lachen an und fühlten etwas, das ihnen im Herzen bekannt, aber so tief begraben war, dass es erst langsam wieder aufleben konnte. Es gab aber auch viele Menschen, die direkt tot umfielen. Darüber wurde viel gemunkelt, aber niemand löste dieses Rätsel. Das wenige Böse, was einem von da an noch hin und wieder begegnete, konnte leicht beseitigt werden. Afra verzog sich in ihre Seifenblase. Sie hoffte, dass die Menschheit das Geschenk zu würdigen und schätzen wusste.

©UMW

 


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