Eine Adventsgeschichte….

Es begab sich zu einer Zeit, als Mensch und Tier noch miteinander sprachen und sich verstehen konnten. Tiere verstehen den Mensch noch immer – wenn sie wollen, aber die Sprache der Tiere versteht kein menschliches Wesen mehr. Vielleicht gibt es die eine oder andere Ausnahme, aber damit hat es sich dann auch schon.

Vor vielen vielen Jahren also….

Seit mehreren Jahren tobte schon ein Krieg zwischen einem Moorvolk und den Bergbewohnern. Keiner verstand mehr worum es eigentlich ging. Weshalb der Krieg angefangen hatte. Viele junge Menschen, die es leid waren zu kämpfen flohen aus diesem Gebiet. Meist waren sie verwaist, weil die Eltern im Kampf ums Leben gekommen waren. Einer davon war Joey. Er war damals 7 Jahre alt, als er sich den jugendlichen Nachbarskindern anschloss. Seine Eltern und Geschwister waren bei einem Brandanschlag umgekommen.

Joey hatte einen sehr starken Bezug zu den Tieren des Waldes. Ganz besonders zu einem Bärenjungen, der ihn immer begleitete. Der Bärenjunge wurde von der Bärenmama liebevoll Jingle genannt. Er machte viel Unfug, so dass Joey ihn mitunter auch Schlingel nannte. Vielleicht war das ja sein wahrer Name.

Als nun Joey mit den Nachbarskindern floh wurde er von Jingle begleitet. Jingle war alt genug um sich endlich von der mütterlichen Fürsorge zu lösen und erwachsen zu werden. Er freute sich auf eine aufregende Zeit mit seinem Menschenfreund. Die Aufregung bestand anfangs darin, den feindlichen Kriegern fern und somit unbeschadet zu bleiben. So erreichten sie nach monatelanger Wanderung einen Wald mit Blick auf ein großes Wasser. Keiner hatte bis zu diesem Zeitpunkt gehört, dass es so etwas gäbe. Ein Wasser soweit sie schauen konnten. Ein Wasser bis zum Himmel. Kein Mensch war zu sehen. Allerdings standen Rundhütten am Waldesrand.

Joey löste sich von seinen Freunden und ging zu dem Dorf hinunter. Er klopfte an jeder Türe an, aber keine Menschenseele war da. Er winkte seinen Freunden, die ihm daraufhin nach folgten. Die Freunde gingen am Strand entlang während Jingle den nahen Wald inspizierte. Nach einer Weile kamen sie alle wieder zusammen, machten ein kleines Feuer und teilten ihr Essen miteinander. Müde legten sie sich nahe an die Wärme des Feuers. Die Sterne strahlten am Himmel und ein Vollmond leuchtete warmgelb. Erschöpft schliefen sie alle ein.

Doch nach einiger Zeit, es musste kurz nach Mitternacht sein, wurden sie von einem furchtbaren Lärm geweckt. Sie schreckten hoch, als sie von spitzen Stangen gepiekt wurden, und sahen in die bunt bemalten Gesichter von dunkelhäutigen grimmig blickenden Menschen. Es vergingen einige Minuten bis eine Verständigung möglich war. Diese Menschen sprachen die Vokale so dumpf rollend aus, dass die Kommunikation sehr schwierig war. Die Geflüchteten gaben zu verstehen, dass sie eine neue Bleibe suchten und erklärten ihre Lage.

Der Stamm der „Bunten Sterne“ zog sich zurück um zu beraten, ob und wie sie die Fremden aufnehmen wollten. Nach dem Abwägen aller Möglichkeiten entschied sich der Stamm, die Fremden als ihresgleichen in den Stammesverbund zu integrieren. Schließlich konnten sie voneinander lernen. Besonders hatte ihnen der Junge mit dem Bären gefallen, der im Alter des Häuptlingssohnes war. Der Bär und der Junge waren als Einheit angesehen worden und das hatte diesem Naturvolk gefallen.

Der Ältestenrat ging zu den Kriegsflüchtlingen und teilte ihnen diese Entscheidung mit. Die Freude war groß. Gemeinsam wurde ein Langhaus für die acht jungen Menschen gebaut. Vorerst sollten sie noch gemeinsam wohnen. Im Laufe der Zeit jedoch war geplant alle nach ihren Fähigkeiten auf die Stammesleute zu verteilen.

Nachdem Joey immer mit Jingle unterwegs war, wurde er „Kuruk (kleiner Bär)“ genannt. Er hatte die Begabung besondere Pflanzen aufzutreiben, die für die Wundversorgung im Dorf gebraucht wurde. Mit diesen Kenntnissen wurde Joey dem Medizinmann unterstellt und lebte bald mit diesem und seiner Familie. Bald war die Gruppe der Flüchtlinge in ihrem Verhalten nicht mehr von den „bunten Sternen“ zu unterscheiden. Sie sprachen genauso und auch sonst hatten sie sich angepasst.

Lehrreiche und erfüllende Jahre gingen ins Land. Joey war zu einem ansehnlichen jungen Mann herangewachsen, der als Medizinmann sehr geschätzt war. Sein Lehrer war stolz auf ihn und hatte ihm alles beigebracht, was er wissen musste. Nun war es aber an der Zeit, dass er sich auf die Wanderschaft begab um von anderen Völkern zu lernen. Mit seinen knapp zwanzig Jahren, war das eine große Aufgabe, der er sich gerne stellen wollte. Er wurde mit allem ausgerüstet, was für seine Wanderschaft nötig war und zog, gemeinsam mit Jingle, los.

Den Lebensunterhalt verdiente sich Joey mit seiner Tätigkeit als Heiler. Sein Ruf eilte ihm bald schon weit voraus, so dass ihm die Menschen teilweise bereits entgegen kamen, um ihn als erstes in ihr Haus zu holen bevor er überhaupt im Dorf oder in der Stadt war.

Eines Tages kam ihnen eine junge Frau sehr aufgeregt entgegen. Ihre Schwester war gestürzt und brauchte dringend Hilfe. Joey eilte ihr nach und fand die schwerverletzte auf einem sauberen Strohbett vor. Die Familie hatte sie im Stall untergebracht, weil sich keiner traute sie viel zu bewegen. Joey säuberte alle Wunden und ordnete die Knochen wieder sauber an. Jingle unterstützte ihn, wo immer es möglich war. Der Heiler bekam ein Zimmer im Haus der Familie, so dass er täglich nach der Verunglückten sehen konnte. In der übrigen Zeit versorgte er die Kranken der Umgebung.

In dieser Zeit ihres Aufenthaltes verschwand Jingle immer wieder für längere Zeit. Keiner wusste, wo er sich aufhielt. Auf sein Nachfragen erhielt Joey keine Antwort. Jingle schien zu lächeln, brummelte aber immer nur unverständlich vor sich hin. Er war zu einem richtigen Geheimniskrämer geworden.

Nach vielen Monaten war die Frau endlich vollständig genesen und Joey wollte weiter ziehen. Von der Familie hatte er als Dank ein stämmiges Pony und ein Wägelchen erhalten, so dass er fortan schneller vorwärts kam. Er packte alle seine Sachen zusammen und wartete auf Jingle, der wieder einmal verschwunden war. Ungeduldig sah er sich um und ging schlussendlich in den nahen Wald. Soweit er gesehen hatte, war Jingle immer in dieser Richtung verschwunden. Er rief ihn leise. In der Nähe raschelte etwas. Dann schoben sich Zweige auseinander und Jingle kam heraus. Ihm folgte ein weiteres Pelztier. Jingle nahm die Bärendame in seinen Arm und sagte zu Joey: „Das ist meine Frau Bell. Wenn es dir Recht ist, kommen wir gemeinsam mit dir mit.“ Joey nickte und freute sich für seinen Begleiter. „Gut. Dann kommt“, sagte es und sang „Jingle Bell… Jingle Bell“.

Von da ab war dieses Lied geboren 😉

©UMW


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