Das Date

Es war schon lange Zeit her, dass sich Petra verabredet hatte. Sie wollte es wagen; es war die beste Medizin um eine vergangene Liebe zu heilen. Dieser Mann lag ihr nun doch schon eine Weile hartnäckig in den Ohren und wollte sie näher kennen lernen. Einmal hatten sie sich schon kurz auf einen Kaffee getroffen. Nun lud er sie ein. In sein Haus. Petra war nervös. Was wollte sie anziehen? Auf keinen Fall zu sexy. Lieber die sportliche Variante. So entschied sie sich für eine Röhrenjeans und eine Bluse. Das war genau richtig, fand sie. Sie tuschte ihre Wimpern, schminkte ihre Lippen und entschied sich für Jil Sander als Duft. Mit dem Blick auf die Uhr stellte sie fest, dass die Zeit wieder einmal zu schnell verging. So schlüpfte sie schnell in ihre Stiefeletten, schnappte sich Mantel und Tasche. Mit einem zufriedenen Blick in den Spiegel griff sie nach den Autoschlüsseln und verließ die Wohnung.

Im Auto tippte sie die Adresse ins Navi und startete. Innerhalb von 35 Minuten sollte sie am Ziel sein. Die berechnete Zeit, war trotz des regen Verkehrs auf der Strasse, gut kalkuliert. In dieser Ecke der Stadt war sie bisher selten, so musste sie sich konzentrieren,  um der Stimme aus dem Navi richtig zu folgen. Es war eine gute Gegend, worauf die Häuser und gepflegten Gärten schließen ließen. Petra wurde es mulmig. Auf was hatte sie sich da schon wieder eingelassen? Noch zwei Minuten bis zum Ziel. Schon gab ihr das Navi zu verstehen, dass sie ihr Ziel erreicht hätte und es sich auf der rechten Straßenseite befände.

Das Tor stand offen. Kurz überlegte sie, ob sie rein fahren solle oder doch auf der Straße parken wolle. In dem Moment entdeckte sie, dass Matthias auf sie zukam. Er deutete an, dass sie hereinfahren solle. Sie lenkte das Fahrzeug in die Auffahrt und blieb hinter seinem Auto stehen. Kurz sammelte sie sich. Doch da war der Mann schon an ihrer Fahrzeugtür und hielt sie ihr auf. Charmant ist er also auch noch. Sie lächelte ihn an und stieg aus. Mit einem „Willkommen“ und einem Kuss auf die Wange begrüßte er sie. Er erzählte, dass er Muscheln in einer Tomaten-Knoblauch-Soße vorbereitet hätte. Dazu soll es frisches Weißbrot geben. Petra war begeistert und überreichte ihm eine Flasche Rotwein. „Die passt ja jetzt nicht wirklich dazu“, meinte sie. Matthias winkte ab. „Doch. Passt. Für mich gibt es da keine Regeln“, lachte er.

Nachdem er die Weinflasche beiseite gestellt hatte, nahm Matthias ihr den Mantel ab und geleitete sie in die großzügige modern eingerichtete Küche. Überwältigt blieb Petra stehen. So eine gut ausgestattete Küche hatte sie bisher noch bei keinem Mann gesehen. Mit Erstaunen nahm sie den hübsch gedeckten Tisch zur Kenntnis. Matthias entzündete die Kerzen und bot Petra einen Aperol Sprizz als Aperitif an. Nachdem Petra mit dem Getränk versorgt war, stellte Matthias den Sud auf eine höhere Stufe und ließ die Muscheln im Sieb abtropfen. Nach einer halben Stunde war das Essen bereit. Das Diner war sehr gelungen und reichlich. „Boah! Das ist ja der Wahnsinn!“ lobte Petra den Koch. Stolz streckte sich Matthias durch und wirkte damit noch größer als seine bereits stolzen 1,90 m. Er räumte das Geschirr direkt in die Spülmaschine. Das hatte Petra so noch nicht erlebt. „So ein Saubermann“, dachte sie sich. Das war ja schon fast zu perfekt. Als krönenden Abschluss bot er ihr noch einen Espresso an.

Die Unterhaltung lief sehr locker. Mit Begeisterung stellten sie fest, dass sie mit ihren Interessen doch sehr ähnlich lagen. Motorrad war er auch gefahren. Allerdings hatte Matthias das bereits vor Jahren aufgegeben. Zu viele seiner Freunde hatten auf der Strasse ihr Leben gelassen.

Inzwischen verbrachte er die meiste Zeit, wenn er sich von der Arbeit freischaufeln konnte, am Wasser. Hier hatte er Vieles ausprobiert. Als einziges Equipment hatte er noch ein Segelboot am Chiemsee. Alles, was er sonst zum Wellenreiten, Surfen oder Kiten brauchte, lieh er sich vor Ort aus. Es herrschte eine wunderbare Harmonie zwischen den beiden.

Inzwischen hatten sie eine Flasche Wein geleert. Petra bat um Wasser. Sie wollte noch nach Hause fahren. Matthias wehrte ab. „So schnell kannst du das nicht neutralisieren“, lachte er. „Du kannst hier schlafen. Ich habe Gästezimmer, wenn dir alles zu schnell geht“. Das klang gut. Mit zwei Gläsern Wein war sie noch nüchtern genug, um klare Entscheidungen zu treffen. Sie wollte auf keinen Fall irgendetwas überstürzen. Aber küssen wollte sie ihn und wissen, wie er schmeckt. Küssen ist der Anfang von vielem und entscheidend, ob ein Wiedersehen und mehr möglich ist. Und er konnte küssen…

©UMW


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