Am Ende des Tages

Ferienzeit. Für viele. Einige Kollegen hatten in dieser Zeit ebenfalls frei genommen. Dennoch war es angenehm in der Firma. Gerade überschaubar.

Die Mails ratterten heute wieder herein. Irgendwie war kein Ende in Sicht. Immer, wenn Maria meinte, sie könnte einmal durch schnaufen, waren wieder mindestens zehn Mails in ihrem Postfach. Einen Teil davon konnte sie direkt an die Kollegen weiterleiten. Genau genommen die mit den technischen Fragen. Um das kaufmännische und organisatorische kümmerte sie sich selbst.

Seit sechs Uhr war die Frau an diesem Tag bereits auf den Beinen und seit sieben Uhr im Büro. Durch die andauernd hohen Temperaturen hatte sie das Fenster weit geöffnet – trotz des Baustellenlärms. Lieber blendete sie diesen Lärm aus als im dumpfen Backofen zu sitzen. Der leichte Wind heute kühlte angenehm die nackten Arme und den Nacken. Der Wetterberichte lag wieder einmal falsch mit den Gewittervorhersagen. Bei strahlend blauem Himmel strahlte der Planet Sonne.

Endlich war es so weit. Feierabend. Maria räumte ihre Sachen in die Schublade, fuhr den PC herunter und machte sich auf den Weg, nachdem sie ihre Tasche geschnappt hatte. Ein kurzes Chiao zu den Kollegen und raus aus der Tür.

Aufgrund der schlechten Wettervorhersage war Maria heute mit dem Auto da. In der Garage öffnete sie ihr Verdeck und fuhr nach oben in die Hitze. Das Fahren war an diesem Tag eine Qual. Irgendwie schienen alle arbeitenden Bürger heute gleichzeitig Feierabend gemacht zu haben.

Der Ring war von Anfang an verstopft. Nach einer Weile stellte sich heraus, dass es wieder einmal an der Dummheit einiger Fahrer lag, dass der Verkehr nur schleppend vorankam. Maria schlängelte sich durch die Lücken und kam nach einer guten Stunde endlich zu Hause an. Zu Hause schlüpfte sie aus ihren Heels, die nach einem vollen Arbeitstag nur noch drückten. Ihre Zehen freuten sich über die Freiheit und atmeten auf.

Ein Blick auf die Uhr zeigte Maria, dass sie noch zwei Stunden bis Geschäftsschluss hatte. Nach den Anstrengungen hatte sie sich heute einen Drink verdient. Ein Aperol lag im Kühlschrank, jedoch der Prosecco fehlte noch. Den wollte sie sich noch kaufen, bevor sie ihre Füße zum Faulenzen hochlegen wollte.

So schlüpfte sie flink in ihre FlipFlops, schnappte sich ihre Einkaufstausche mit Geldbeutel und ging los. Zu Fuß. Schließlich wollte sie sich etwas bewegen. Fünfzehn Minuten Fußweg waren das einfach. Im Supermarkt stauten sich die Menschen. Einer war so stehen geblieben, hatte die Ruhe weg, während hinter ihm die Menschen herein drückten.

Maria drängte sich vorbei und holte sich ihren Prosecco, noch etwas Käse und Fisch. Doch wieder mehr geworden als gewollt. Die Augen drückten. „Ein Nickerchen wäre etwas schönes“ gab ihr Körper zu verstehen. Erst noch an die Kasse und nach Hause. Glücklicherweise wurde gerade die zweite Kasse geöffnet, so dass Maria sich hier gleich als Erste anstellen konnte. Nach dem Bezahlen schulterte sie ihre Tasche und ging ihren Weg.

Da stand ein Kleinbus, der Lieferservice eines großen Handelshauses, auf dem Gehweg. Mit laufendem Motor. Maria sah in den Fahrerbereich. Kein Mensch da. Sie sah sich kurz um, ging um das Auto herum und stieg ein. Gerade da kam der Fahrer um die Ecke des Hauses. Maria schaltete und gab Gas. Sie bog auf die Hauptstrasse ab. Kurz hörte sie das Fluchen des Mannes. Im ersten Moment hatte er wohl nicht ganz kapiert, was hier passierte und hatte sogar noch ein Lächeln im Gesicht.

Auf Höhe ihres Zuhauses stellte Maria das Fahrzeug ab. Sie schaltete den Motor aus und die Warnblinkanlage ein. Wenn der Mann ein Stück diesen Weges geht, kann er bald seinen Bus sehen.

©UMW


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