Flucht aus dem Dunst der Stadt

Wieder einmal war es ein frühes Aufstehen. Draußen war es noch dunkel. Doch heute sollte es endlich einmal wieder zum Wandern gehen. Das Wetter in den Alpen war mit Sonne prognostiziert. Also nichts wie raus. Ohne die Öffis und ohne Gesichtswindel. Welch eine Freiheit.

Bei kühlen Temperaturen trafen sich Maria und Xandra an einer U-Bahn-Station. Von dort liefen beide zu dem Stadtauto, mit dem sie in die ländliche Gegend kutschierten. Die Fahrt war zügig, da wenig Verkehr auf den Strassen.

Das Fahrzeug stellten sie innerhalb der Ortschaft Hausham ab. Von da ab liefen die beiden Frauen in Richtung der favorisierten Alm. Der Aufstieg wurde in knapp zwei Stunden bewältigt. Auf ca. 1260 m über NN wurden die beiden von Schnee empfangen. Nicht besonders viel Schnee, aber dennoch. Herrlich! So kommt dann doch ein wenig Weihnachtsstimmung auf. Mit dem eingepackten Proviant wurden die Reserven aufgefüllt. An die Hüttenmauer gelehnt spürten sie die Wärme der Sonnenstrahlen und genossen das Panorama. Es war unbeschreiblich schön.

Mit fortschreitender Mittagszeit kamen mehr Besucher hier an. Es wurde unruhig. Die Stille der Natur und die Ruhe waren vorbei. Beide Frauen konnten auch nicht mehr sitzen. Die Körper verlangten nach Bewegung. Es war Zeit für den Rückweg. 

Bei der Rückfahrt ging es nach rund zehn Kilometern mitten durch Nebelbänke, die immer wieder von lichten Strecken unterbrochen waren. Die Stadt empfing sie nasskalt mit Hochnebel. Durch Wolkenfetzen war die Sonne zu erahnen. 

Wieder einmal bedauerte Maria, dass sie ihre Wohnung nicht im ländlichen Raum und näher an den Bergen hatte. Doch wer weiß, wohin die Zukunft sie führen wird.

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Weißwurstfrühstück am Berg

Schon früh fand die Nacht ein Ende. Zumindest für ein Wochenende. Einen schnellen Kaffee trinken, während die restlichen Sachen in den Rucksack gepackt wurden. Dann ging es bereits los. Erst mit der Trambahn, danach S-Bahn bis zum Ostbahnhof. Hier war der Treffpunkt mit dem Fahrer Tom. Patrick, ein weiterer Mitfahrer kam kurz nach mir am Treffpunkt an. Wir unterhielten uns ein wenig. Als unser Fahrer eintraf, packten wir unsere Rucksäcke in den Kofferraum. Schon wenige Minuten später rollten wir in Richtung Süden. Auf einem Parkplatz im Raum Sylvenstein trafen wir nach einer guten Stunde die beiden Frauen, die separat gefahren waren.

Wir suchten den Aufstieg. Ein kleines gelbes Schild wies uns den Weg zur Hochalm, die wir nach Angaben einer Wanderseite in zwei Wanderstunden erreicht haben sollten. Es ging ganz schön steil bergauf. Viel Fels und Geröll in einem Bachlauf war unser Weg. Teilweise war es vom Regen des Vortages noch rutschig. Nicht umsonst war hierfür Trittsicherheit vorausgesetzt. Nach den ersten fünfundvierzig Minuten wurde der Weg angenehmer. Trotzdem ging es noch immer Bergauf. Nach etwas mehr als einer Stunde hatten wir die erste herrliche Aussicht auf das Bergpanorama. Doch es brauchte noch einmal fünfundzwanzig Minuten bis zum Gipfelkreuz.

Früher gab es hier einmal eine Hochalm. Der Namensgeber dieses Platzes. Diese Hochalm ist bis auf ein paar Grundsteine weg. Deshalb ist es gut, sich seine eigene Brotzeit und Getränke einzupacken. Für uns war es, Dank Tom, ein bayrisches Frühstück.

Das Wetter war ein Traum. Ebenso die Rundumsicht. Wir suchten uns einen Platz unterhalb des Gipfels mit Fels und einem geraden Platz, damit der Kocher sicher aufgestellt werden konnte. Wir verteilten uns auf umliegende Felsen – unsere Sessel und Bänke.

Tom packte einen Kocher, Topf, die Weißwürste und Brezen sowie einen Senf aus. Jeder hatte sich ein eigenes Bier mitgebracht. Wir stießen auf unseren zügigen Aufstieg an. Eine halbe Stunde weniger hatten wir gebraucht, als angegeben war. Also 1,5 Stunden statt der veranschlagten 2 Stunden. Darauf waren wir stolz, zumal wir gefühlt nicht wirklich schnell unterwegs waren.

Während das Wasser erhitzt wurde, genossen wir die Sonne und den Ausblick. Es war einfach nur schrecklich schön. Gute zwei Stunden ließen wir unsere Seelen baumeln bevor wir wieder abstiegen.

Ein Abstieg ist nie wirklich schön, da die Knie ordentlich belastet werden. Trotzdem gehört es dazu. Ein wenig jammern darf schon sein. Gesund und munter, und vor allem glücklich über einen wunderschönen Sonnentag in den Bergen, kamen wir bei den Fahrzeugen an. Es ging wieder zurück in die Stadt. Mit einem guten Gefühl und herrlich erholt.

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Der Berg ruft…

Wenn er ruft, dann ist das Wetter egal. Regen war angesagt. Morgens gab es Starkregen, der sich bis Nachmittag auflöste. Weiße Wolken bei blauem Himmel. Manchmal etwas mehr grau – in der Ferne. Doch wen interessiert schon die Ferne? Uns weniger. So hatten wir am späten Nachmittag beim Losfahren tatsächlich Sonnenschein.

Mit anderen Autos ging es durch den Feierabendverkehr, über den Ring, in Richtung Salzburger Autobahn. Unterwegs sammelten wir noch Vanessa von einem Park & Ride Platz ein. Mit einer kleinen Verspätung trafen wir am Wanderparkplatz bei Bad Wiessee ein. Die fünf weiteren Mitwanderer standen schon fertig gespornt, wartend, da. Schnell machten wir drei Nachzügler uns fertig – und schon ging es los.

Glücklicherweise ging es erst einmal gemächlich dahin, so dass sich die Muskeln und Sehnen erwärmen konnten.

Die Zeit vertrieben wir uns mit Gesprächen über alles, was uns in den Sinn kam. Stellten so ähnliche Interessen fest. Der Weg wurde steiler, die Gespräche verstummten, fast. Der Aufstieg wurde immer wieder von geraden Wegstrecken aufgelockert, so dass sich der Körper kurz regenerieren konnte.

Dann verdunkelte sich der Himmel. Wir hofften noch, dass die schweren Wolken sich verziehen. Doch der Himmel entschied sich, seine Schleusen zu öffnen. Vorerst war es Sprühregen, der sich auf der erhitzten Haut recht wohltuend anfühlte. Vor uns noch eine halbe Stunde zu laufen. Der Regen wurde stärker. Meine Regenjacke hatte ich zu Hause vergessen. Allerdings laufe ich ungern mit Regenjacke, da ich trotz dieser jedes Mal sehr nass war. Vom Schweiß, da die Klimatisierung entgegen der Beschreibung ohne Funktion ist. Na ja, bin ja auch kein Zuckerstück und Wasser von oben ist herrlich.

Bei Ankunft an der Hütte zeigte sich ein kleines bisschen Sonnenuntergang im Westen und ein Regenbogen auf der nördlichen Seite. Das entschädigt doch für jede Mühe 🙂

Nachdem ich meine durchnässte Kleidung gegen trockene getauscht hatte, begab ich mich zu meinen Mitwanderern in die Wirtsstube. Bei einer deftigen Mahlzeit stärkten wir uns. Den Abstieg bewältigten wir unter einem klaren Sternenhimmel mit einer halben Mondsichel.

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Kofelgipfel in Oberammergau

Unser Kini hat Geburtstag

Am 25.August 1845 wurde er geboren. Unser König. Als ältester Sohn des Kronprinzen Maximilian und der Kronprinzessin Marie. Dieses Jahr wäre sein 175. Geburtstag. Noch immer wird dieser Märchenkönig verehrt.

Zu seinen Ehren finden alljährlich – seit 1888 – in Oberammergau die Ludwig-Feuer statt. Eine Nacht vor seinem Geburtstag.

Wir haben dieses Event zum Anlass genommen, um das Gipfelkreuz am Kofelgipfel zu besuchen und die Aussicht von da oben zu genießen. Glücklicherweise war uns der Wettergott hold und es blieb den ganzen Tag trocken. Die Wolken störten uns nicht. Auch die Temperatur von 17 Grad war genau richtig. Den Schweiß trieb es uns beim Aufstieg schon so ordentlich aus den Poren. Und das letzte Stück, gesichert am Seil, ließ sicher zeitweise den Angstschweiß rinnen. Oben, am Gipfel, ließen wir uns die mitgebrachte Erfrischung und Brotzeit schmecken.

Nach unserer Stärkung ging es den Klettersteig erst wieder retour. Unser Weg führte uns danach gefühlt um den halben Berg zum Kolbensattel. Diese Wanderung dauerte etwa eine Stunde. Das nächste Ziel war der Alpine Coaster. Wir wollten das letzte Stück ins Tal nicht laufen, sondern mit diesem Gefährt bergab fahren. Für mich war es Premiere.

Auch hier oben, bei den Bergbahnen etc. war Maskenpflicht, an die sich alle hielten.

Es war ein schöner Ausflug in einer bunt gemischten Frauentruppe. Das Highlight waren zum Abschluss die Ludwigs Feuer.

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Rauf auf den Berg!

Wir waren spät dran mit dem Berggehen. Es sollte ja auch nur eine kurze Tour werden, um den Kopf frei zu bekommen. So war es dann auch. Um 11 Uhr ging es vom Wanderparkplatz los. Der Rechelkopf liegt auf 1330 m. Vom Parkplatz aus waren es ca. 640 hm. Den Aufstieg hatten wir um 12.30 Uhr bis zum Gipfelkreuz bewältigt. Das schlichte Holzkreuz war in der Mitte der Graslandschaft da oben angebracht. So wenig Menschen wie wir auf dem Weg getroffen hatten, so sehr waren wir überrascht, wie viele Menschen es sich in der Wiese bequem gemacht hatten.

Den Abstieg hatten wir so geplant, dass wir an einer Hütte einkehren konnten. Innerhalb von einer halben Stunde hatten wir eine Hütte erreicht. Wegen Corona war diese jedoch geschlossen. Viele Mountainbiker hatten es sich rund um die Hütte bequem gemacht. Wir zogen weiter.

Der Weg war ein anderer, als bei unserem Aufstieg. Für die Strecke bergab sahen wir keine Markierung. Wir liefen und liefen. Drehten dann um, denn es erschien uns hoffnungslos. Einheimische konnten uns dann den Weg beschreiben. Trotzdem hätten wir den Einstieg wieder knapp verpasst. Glücklicherweise kam gerade ein Mountainbiker aus diesem Weg auf uns zu. In der Ferne konnten wir schlussendlich sogar Hinweisschilder ausmachen. Wir folgten diesen ins Tal. Gefühlt zog sich der Weg nach unten ohne Ende dahin.

Schlussendlich kamen wir 4 Kilometer von unserem Auto entfernt am Waldrand im Tal an. Wir folgten dem ausgeschilderten Weg, der von vielen Radfahrern frequentiert war. Inzwischen hatten wir schon keine Lust mehr zu laufen. Irgendeiner der Götter hatte uns erhört…

Ein Traktor, ein alter lustiger Bauer und ein Platz auf dem frisch geschnittenen Gras auf dem Hänger für uns. So durften wir den letzten Kilometer mitfahren. Das war eine lustige Erfahrung. Der Bauer fuhr wirklich sehr flott und in den Kurven ward uns zeitweise ein wenig mulmig.

Der aktive Tag fand nach 14 Kilometern und 285 Minuten wandern sein Ende.

©by UMW

Ein glücklicher Tag

Gähnend streckt sich Maria in ihrem Schlafsack und öffnet blinzelnd die Augen. Mit einem Blick durchs Fliegennetz kann sie schon erkennen, dass es ein wunderschöner Sonnentag ist. Sie krabbelt über Marius hinweg ins Freie. Vor ihrer kleinen Hütte atmet sie die frische Luft tief in ihre Lungen und beobachtet die weißen Schaumkrönchen, die träge an den Strand rollen. Welch ein schöner Tag!

Ein wolkenloser strahlend blauer Himmel. Reste vom Morgendunst verflüchtigen sich in der wärmer werdenden Sonne. Ein leichter Windhauch umstreicht Maria. Zeit, um auch ihren Körper auf den Tag vorzubereiten. Yoga. Mit Genuss widmet sich die Frau ihren Übungen. Der Körper wird mit verschiedenen Asanas gestreckt und gedehnt. Mit einem Namaste beendet sie ihre Session.

Ein kurzer Blick zur Hütte sagt ihr, dass Marius noch immer schläft. Sie läuft ans Wasser. Vorsichtig streckt sie die Zehen hinein, überlegt kurz und stürzt sich dann in das kühle Nass. Puh, das war frisch! Fröstelnd läuft sie zurück, holt sich ihr Handtuch und wickelt sich hinein. Glücklich schaut sie übers Wasser.

„Na Süße, schon fleißig gewesen?“ Marius setzt sich neben sie und zieht sie an sich. Nickend strahlt sie ihn an. „Ja. Herrlich war es.“

„Komm, lass uns frühstücken und dann mit den Boards ein wenig herumpaddeln.“ Nickend greift sie nach seiner Hand. Er zieht sie mit einem Ruck zu sich und küsst sie auf die Nasenspitze.

Während er Kaffee aufsetzt, stellt sie Wurst, Käse, Marmelade, Butter und Honig auf den Tisch. Flink schneidet sie Paprika, Tomate und Gurke. Mit wenigen Handgriffen arrangiert sie alles auf einem kleinen Teller. Zwischenzeitlich hat Marius ein paar Eier verrührt, gewürzt und in die erhitzte Pfanne gegeben. Hand in Hand wuseln sie in der Küche herum.  

„Setz dich,“ weist Marius sie an. „Kaffee und Eier sind fertig.“

„Fehlt noch etwas?“ frägt Maria und scannt den Frühstückstisch. Verneinend schüttelt sie den Kopf und lässt sich auf einen Stuhl plumpsen. Nach einem großen Schluck Kaffee nimmt sie eine Ladung Rührei auf ihre Gabel. „Mmmh“, stöhnt sie auf. „Die sind sowas von lecker. Danke fürs Brutzeln.“ „Für dich immer gerne“, lächelt er. „… und dir danke fürs Schnibbeln von dem leckeren Gemüse.“

Ein Blick zur Uhr zeigt den Beiden, dass es bereits 11 Uhr ist. „Raus jetzt mit uns, diesen Wahnsinnstag genießen.“ Sie stupst ihn an und drängt ihn nach draußen. „Sollen wir ein wenig paddeln gehen? Mit den SUPs?“ fragend schaut Marius zu Maria. Sie nickt. „Ja. Komm!“

Sie gehen um die Hütte herum und nehmen die Boards von der Halterung, schnappen sich die Paddel und laufen in den See. Die Boards platschen aufs Wasser. Knieend paddeln beide los. Nach wenigen Paddelschlägen stehen sie auf, balancieren kurz aus und paddeln ruhig am Ufer entlang. Einige Boote segeln bei leichter Brise an ihnen vorbei. Eine Crew winkt ihnen fröhlich zu. Maria hebt das Paddel zum Gruß und grinst. In dem Moment stößt Marius mit seinem Board an Marias. Sie verliert das Gleichgewicht, schaukelt kurz hin und her bevor sie lachend ins Wasser fällt.

Prustend taucht sie auf und zieht sich auf ihr Board. Schallendes Gelächter von Marius und den Bootsleuten erwartete sie. Maria stimmt mit ein. „Kurze Pause für mich,“ kichert sie und legt sich aufs Board. Die Sonne trocknet ihre Haut. „So im Liegen ist es ganz schön heiß. Lass uns zurück paddeln. Meine Flasche Wasser ist auch schon leer.“ Zustimmend wendet Marius sein Board. Die Sonne ist zwischenzeitlich vom Zenit nach Osten gewandert. Er schätzt die Zeit auf 15 Uhr, was ihm durch einen Blick auf die Uhr bestätigt wird. „Die Zeit vergeht ganz schön schnell!“ meint er. Sie nickt und stakt ihr Paddel ins Wasser. „Die Sonne schafft mich,“ murmelt sie. Sie kniet sich aufs Board um schneller vorwärts zu kommen. Nach einer guten Stunde erreichen sie ihre Hütte. Maria zieht ihr Board an den Strand, läuft ins Haus und leert eine Flasche Wasser. „Das habe ich jetzt gebraucht,“ stöhnt sie auf. Marius folgt ihr und macht es ihr nach. „Oh ja. Das war knapp jetzt. Wir haben die Zeit sauber unterschätzt! Glücklicherweise ging es nochmal gut.“ Beim nach draußen gehen bat er sie sich auszuruhen. „Ich räume schnell noch die Boards weg.“

Maria legt sich in die Hängematte und ist gleich eingeschlafen. Nach einer Stunde wacht sie erfrischt auf und beobachtet Marius, der gerade den Grill vorbereitet.

Mit Schwung verlässt sie ihren Ruheplatz und geht zu ihm hinüber. Dabei fällt ihr Blick auf das Segelboot, das nahe ihrer Hütte ankert. In dem Moment kommt das Dinghi um das Boot herum und steuert auf sie zu. Es sind die Leute von Nachmittag. Mit einem Hallo begrüßen sie sich. Die Bootsleute bringen eine Tasche voll mit Bier mit. Aus einer anderen Tasche holt eine der beiden Frauen noch Fleisch und Kartoffelsalat und stellt es auf den Tisch.

„Das ist ja cool!“ freut sich Maria. Die Crew stellt sich kurz vor, bevor sie sich auf den Sitzmöglichkeiten niederlassen.

Abwechselnd stellen sie sich an den Grill und legen die Leckereien auf. Mit Bier und Wein wird auf den Abend angestoßen.

Leuchtende Sterne verleihen dem Abend etwas Mystisches. Der Klang einer Gitarre und einer rauchig dunklen Stimme vermitteln Romantik pur in dieser lauen Nacht und lassen diesen wundervollen Tag ausklingen.

©by UMW  

Weggeputzt

Vielleicht habe ich es hier schon einmal erwähnt. In meinem Domizil wohne ich nun seit 27 Jahre. Die Wohnung könnte Geschichten erzählen, die nur ich in meinem Kopf bewahre. Mein Kapitel hier wird Ende September abgeschlossen. Die Geschichte in diesen Räumen.

Bis ich die Türe nach mir schließen kann, sind noch einige Schönheitsreparaturen zu erledigen. Viele Freunde und Bekannte meinten zwar, dass ich Besenrein abgeben könnte. Dem ist jedoch nicht so. Meinen Vertrag habe ich beim Mieterverein prüfen lassen und es hat alles seine Richtigkeit. Was ich genau machen muss, wurde mir in einem Schreiben von der Hausverwaltung nach der Vorabnahme mitgeteilt. Sämtliche Löcher müssen geschlossen werden – und davon gibt’s in meiner Wohnung mehr als genug. Außerdem müssen alle Wände weiß sein. Bei meiner letzten Streichaktion hatte ich sowieso schon die farbigen Wände überstrichen. Nur die Küche hat noch eine grüne Schräge, die übertüncht werden muss und meine Abstellkammer hatte bisher noch nie frische Farbe bekommen, da diese mein Dachkeller war. Dementsprechend unschön sind hier die Wände.

Das Regenwetter war mein Motivator um mit dem Aufhübschen der Wohnung zu beginnen. Da ich bis September hier wohnen bleibe und noch einiges zu verkaufen, verschenken und wegzuwerfen habe, zieht sich das alles in die Länge. So habe ich nun mit der Abstellkammer begonnen. Die Löcher in den Wänden hatte ich bereits am Abend davor zugespachtelt.

Der Samstag begann sportlich. Meinen Weg zum Carsharing-Fahrzeug lief ich flott durch Nieselregen. Mein Weg führte mich zum nächsten Baumarkt. Eine gut deckende alpinweiße Farbe wanderte in den Einkaufswagen. Schließlich liebe ich die Alpen und Schnee. Da kann mich nur diese Farbe überzeugen. Einen Farbroller gab es gratis dazu. Hinzu kamen ein Malerteppich, ein Flachpinsel und ein kleiner Farbroller für die Ecken. Nachdem alles Material von mir in die 5. Etage geschleppt worden und das Fahrzeug im richtigen Bereich geparkt war, konnte es losgehen.

Den Boden legte ich mit Malerteppich und Zeitungspapier aus. Erst einmal wusste ich gar nicht, wo ich beginnen sollte. Die Kammer ist eine einzige Schräge und irgendwie verwinkelt. Ganz nebenbei bemerkt, mag ich weißeln überhaupt nicht. Es bleibt mir nur nichts anderes übrig. Also begann ich hockend in der kleinsten Ecke und arbeitete mich nach oben vor. Nach oben in den Bereich, in dem ich endlich stehen konnte und sogar noch den Tritt brauchte, um die Ecken in ein sauberes weiß verwandeln zu können.

Rechtzeitig zum Nachmittagskaffee war ich fertig. Der Raum strahlt mich weiß an. Meine Haare hatten ebenso Farbe abbekommen wie meine Kleidung und die Arme. Die Unterarme fühlten sich stark strapaziert an. Das gibt einen Muskelkater! Den Muskelkater fühlte ich ebenso im Rücken und komischerweise in der Taille. Mit welchen Verrenkungen war ich denn am Werk?

Glücklich bin ich nun, dass der Anfang gemacht ist. Jetzt warten nur noch Flur, Küche und ein Zimmer auf ein schönes Weiß.

©by UMW