Mich gibt’s noch :)

18. Januar 21 im Westpark – noch Schnee und Eis

Etwas ruhig ist es um mich geworden. Ich bin es leid meine Gedanken zur herrschenden politischen und gesundheitlichen Lage immerzu niederzuschreiben. Dummerweise ist genau dieses Thema immer präsent. Ob ich will oder nicht.

Der Lockdown hat sich erneut verlängert. Viele Geschäfte schließen. Von bekannten Ladenketten lesen wir in den Zeitungen. Über die ganz kleinen Geschäfte bekommen wir wenig bis gar nichts mit. Diese sind auf einmal weg. Ein leeres Ladengeschäft mehr – wo auch immer.

Die Arbeitslosenzahlen nähern sich der 3 Mio. Grenze. Es wird zwar immer noch beschönigt, doch machen wir uns nichts vor. Je mehr Geschäfte schließen, desto mehr stehen auf der Straße. Wie schwierig es ist, eine adäquate Arbeit zu finden, erfahre ich selbst. Absagen gibt es fast täglich und das ist demotivierend. So höre ich es auch von meinen Kollegen aus dem vergangenen Englischkurs. Gerade wer aus höheren Positionen kommt oder auch gut gebildete Menschen haben es besonders schwer. Bürokräfte wie mich gibt es wie Sand am Meer. Da haben dann die Jüngeren beim derzeitigen Sparkurs einfach die besseren Chancen.  Trotzdem geht es weiter. Ab Februar bin ich erst einmal für vier Monate aus dieser Statistik raus. Ja, das ist Verwässerung und Augenwischerei. Da werde ich mich (erneut) für den Bereich Lohn- und Gehaltsabrechnungen qualifizieren. Nach meiner Ausbildung hatte ich diese Tätigkeit schon einmal erfolgreich gemacht und dabei mehrere hundert Mitarbeiter betreut. Mir hat das immer Freude gemacht, also greife ich das nochmals auf. In den letzten Jahren ist in dem Bereich einiges passiert und deshalb lasse ich mich updaten. Da es in diesem Bereich tatsächlich Bedarf hat, rechne ich mir Erfolg aus.

Bis es los geht, werde ich mich auf mich konzentrieren. Viel Zeit mit mir selbst verbringen. Natürlich viel Natur, auch Familie und meine engen Freunde. Es gilt: Ich bin noch da und hoffe auf baldige Abenteuer 😉

©by UMW

Adieu

Nun ist es soweit. Für etwa siebenundzwanzig Jahre war es meine Heimstatt. Eingezogen als Erstmieter. Damals. Die Wohnung könnte Geschichten erzählen. Viele schöne und auch weniger schöne. Wie das Leben eben so spielt.

Heute sind die Räume wieder leer. Eine Matratze liegt noch auf dem Boden und wartet darauf abgeholt zu werden. Ein kleines bisschen Wehmut beschleicht mich.

Ich hatte Großteils angenehme Nachbarn. In der heutigen Zeit ist das ja kein Standard. Die Hälfte der Mieter ist mit mir eingezogen. Unsere Kinder haben miteinander gespielt. Viele Kinder haben inzwischen ihr eigenes Leben, ihre eigene Familie.

Muss ich mich jetzt „alt“ fühlen? Um Himmelswillen! Das werde ich nicht.

Die Schlüssel werde ich heute an die Wohnungsgesellschaft abgeben und die Tür hinter mir schließen. Es wird ein Abenteuer und doch ganz anders als ich vor knapp zwei Jahren dies in einer Kurzgeschichte zusammengesponnen hatte.

Wie treffend ist da dieser Spruch: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue.

Mein neuer Weg ist sicher kein gewöhnlicher. Es ist ein anderes Leben. Ein neues Leben. Ich fühle mich wie ein kleines Kind an Weihnachten. Ungewiss, was es erwartet. Aber voller Vorfreude.

©by UMW

Das passt!

Biene

Gestern kam eine Kollegin auf mich zu und meinte, dass sie ihrem Sohn eine Geschichte vorgelesen hatte, bei der ihr Gedanken an mich kamen. Sie erzählte mir von dieser Passage aus einem Buch von Biene Maja und ihren Abenteuern (Autor Waldemar Bonsels).

Hach! dachte ich mir. Was hat denn das Bienchen mit mir gleich? Dieses Zitat aus dem Buch hat sie mir übergeben:

Sie wollte glücklich und frei sein und das Leben auf ihre Art genießen; mochte kommen, was wollte, sie würde es ertragen.

Genauso geht es mir. Irgendwie. Und so steuere ich auf meinen neuen Lebensabschnitt zu, der sich inzwischen in großen Schritten nähert.

©by UMW

Sieben Länder in zwanzig Stunden

Wie soll das funktionieren, wird sich so manch einer fragen. Selbst mir kam das bis vor kurzem noch unvorstellbar vor. Doch ich habe mich eines besseren belehren lassen. Durch gemeinschaftlichen Aktivismus.

Genau genommen, war es an der Zeit verschiedene Dinge zum Boot zu bringen. Mit einer Spedition erschien es zu aufwändig und mit dem Flugzeug schier unmöglich. Diese ganzen Kisten, Geräte, Equipment, Taschen, Ausstattung und was weiß ich nicht noch alles. Ziemlich spontan entschieden wir uns Mittwoch oder Donnerstag – mir fehlt jegliches Zeitgefühl! – zu diesem Gewalttrip.

Donnerstag Abend lud Jan meine Taschen in sein Fahrzeug. Freitag Mittag, nach einem halben Arbeitstag, fuhr ich mit der S-Bahn zu ihm. Seine notwendigen Arbeiten hatte er erledigt und wir konnten direkt losstarten. Irgendwie schienen sich viele Menschen an diesem Wochenende für eine Fahrt in den Süden aufgemacht zu haben. Es war erst einmal viel Verkehr.

Navi und Googeline zeigten uns staufreie Wege auf, so dass es manchesmal quer durch die Pampa ging. Zumindest noch hier in Deutschland. Wir fuhren durch Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien und Mazedonien nach Griechenland. Solange es Tag war, konnten wir uns an der schönen Landschaft erfreuen. In der Nacht war es dunkel, teilweise ohne irgend ein Licht. Geärgert haben wir uns über die Wartezeiten an den Grenzen von Serbien nach Mazedonien und Mazedonien nach Griechenland. Es gab zwar eine Spur für EU-Passinhaber. Das nützt nur nichts, wenn sich keiner daran hält.

In Mazedonien wurden wir nach einer Greencard gefragt. Es ging um die KFZ-Versicherungskarte. Dummerweise war diese nicht auffindbar. Zum Weiterfahren mussten wir in Mazedonien eine Versicherung abschließen. Wie ärgerlich! Keine Ahnung, ob dagegen angegangen werden kann oder diese Versicherung als unrechtmäßig gilt. Da sollten wir uns vielleicht einmal bei so einem großen Automobilverein erkundigen.

In Athen schafften wir die Fähre nach Egina punkt genau. Kaum waren wir auf der Fähre, wurde schon abgelegt. Ein herrliches Panorama von Athen zeigte sich uns.

 

In Egina fuhren wir zu der Werft, auf der das Boot an Land auf die Feinarbeiten und uns wartete. Der Werftmeister brachte uns eine Treppe, damit wir mit dem Gepäck zum Boot hochkamen. Das war eine ganz schön wackelige Angelegenheit. Oben das Gepäck ablegen und sich selbst hochhieven kostete anfangs etwas Überwindung. Mit jedem erneuten Hochsteigen fiel es mir leichter. Jan mit seinen langen Beinen tat sich da wesentlich leichter. Erst einmal brachten wir alles aus dem Auto nach oben und verteilten es so gut es ging auf die einzelnen Kajüten. Taue wurden in den Bugkisten verstaut. Ein Schildchen mit Schiffsname und -nummer wurde angebracht.

 

Für mich war es das erste Mal auf diesem Boot, deshalb sah ich mir alles an, öffnete sämtliche Kästen und inspizierte den Inhalt. Dinge, die mir nicht gefielen oder schlichtweg zu viel waren, haben wir entsorgt. Haushaltsartikel, die ich von mir mitgenommen hatte, verstaute ich. Trotz allem durfte ich einen Teil wieder einpacken, weil es sich als unsinnig herausstellte oder weil es schon an Board war.

Am späten Nachmittag war es dann Zeit für Erholung und wir kosteten das Meerwasser. Erfrischend ist anders. Bei Lufttemperaturen mit mehr als 30 Grad, war auch das Wasser sehr warm. Trotzdem schwammen wir ein Stück hinaus und hatten Spaß an den Wellen. Wieder zurück wurde kurz das Salzwasser abgespült und wir machten uns auf den Weg ins Dorf.

In einer Strandbar erfrischten wir uns innerlich. Als es endlich Zeit zum Essen war spazierten wir von der Werft zu einer nahen Taverne.

img_20190720_200634060_hdr6211116285425916495.jpgHier konnten wir den Sonnenuntergang zu super leckeren Gerichten aus Garten und Meer genießen.

Schon bald fielen wir müde in die Kojen.

Am nächsten Morgen packten wir frühzeitig unsere Sachen, um die erste Fähre ans Festland zu erwischen. Wir waren sehr zeitig am Hafen. So blieb noch Zeit für einen Cappuccino und einen kleinen Spaziergang an den Booten vorbei.

Als die Fähre angedockt hatte, gingen wir zum Auto. Während die Beifahrer nur als Fußvolk die Fähre betreten durften, mussten die Fahrer die Fahrzeuge nach Anweisung parken. Morgens war wenig los, so verlief das Procedere recht einfach.

img_20190721_095247289_hdr7318619048180383119.jpgAuf der Fähre marschierten wir zum Oberdeck und hatten es fast für uns alleine. Wir versuchten die Möwen in ihrem Flug zu fotografieren. Es war ganz schön windig. Die Möwen zu fotografieren stellte sich deshalb als ziemliche Herausforderung dar. Doch Jan schaffte es, den einen oder anderen Vogel festzuhalten.

Nach der etwa einstündigen Fahrt mit der Fähre fuhren wir in Athen von der Fähre herunter und wieder an Land. Unsere Zeit in Athen / Egina belief sich auf etwa 24 Stunden.

Schon waren wir wieder auf dem Weg retour nach München. Von Griechenland nach Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien, Österreich und in unsere deutsche Heimat. Wieder mit Stau an den Grenzen und wieder mit der Frage nach der Greencard in Mazedonien. Und mit einem Abenteuer der etwas anderen Art.

Googeline teilte uns einen Stau mit und fragt, ob wir diesen umgehen wollten. Natürlich drückte der Fahrer das „ja“. Würde doch sicher jeder machen, oder? Der Weg war wunderschön. Es ging durchs mazedonische Hinterland. Die Häuser wurden immer weniger und die Strasse immer holpriger.

Bis wir auf einem Feldweg fuhren. Googeline zeigte uns weiterhin den Weg an. Laut ihren Angaben waren wir noch immer auf der richtigen „Straße“. Diese Straße war schon sehr abenteuerlich mit tiefen Furchen. Gut geeignet für Traktoren oder Geländefahrzeuge. Der SUV, mit dem wir unterwegs waren, packte es trotzdem recht gut. Vielleicht hatte es auch das Fahrzeug einmal genossen vom normalen Weg abzukommen 😀

img_20190721_162059493_hdr112382695538762268.jpgHangabwärts konnten wir nach einer Weile wieder eine Siedlung, ein Dorf, sehen. Nur: Keine Menschenseele. Wir fuhren den, inzwischen wieder geteerten Weg weiter und waren dann zurück auf der Autobahn. Allerdings handelte es sich um die serbische Autobahn. Richtig! Wir hatten das eine Land verlassen und sind in ein anderes Land rein – ohne Grenzkontrolle. Wir mochten uns nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn wir aufgehalten worden wären. Es ist alles gut gegangen und vor allem hatten wir sehr viel Spaß dabei 🙂

Nach nur 18 Stunden Fahrt waren wir zurück in München. Etwas Schlaf konnte sich jeder von uns noch gönnen, bevor es in die Arbeit ging.

©by UMW

Zugfahren in Deutschland

Inzwischen ohne eigenen fahrbaren Untersatz, habe ich mir diesen Luxus wieder einmal gegönnt. Meine Mutter zu besuchen war überfällig, denn die Neuigkeiten wollte ich ihr nicht am Telefon erzhählen. Außerdem war es wirklich allerhöchste Zeit, denn in der Kleinstadt verläuft der Informationsaustausch – oder soll ich sagen Tratsch? – meist so schnell wie ein Strohfeuer.

So machte ich mich morgens früh auf den Weg. Erst einmal Bus, dann S-Bahn und ab Freising mit der Regionalbahn. Beim Einstieg hatte ich schon Probleme, denn überall junge und ältere Menschen. Dazu viele Besucher aus anderen Ländern. Sie saßen und standen im Zugangsbereich und in den Gängen. Eben überall, wo sich ein Eckchen fand.

Dummerweise lassen sich die Zugfenster nicht mehr überall öffnen. Auf die dicke Luft brauche ich wohl nicht hinweisen.

Auch ich setzte mich erst einmal auf den Boden. Meinen Rucksack zwischen den Beinen und las. Ich war froh, eine Jeans und kein Kleid angezogen zu haben.

IMG_20190530_093342413An der nächsten Haltestelle ging ich durch diesen Wagon nach hinten. Doch der Übergang in den nächsten Wagon war unmöglich. Die Menschen standen wie die Heringe. Kein Durchkommen. Mit einem „Willkommen“ und großem Hallo wurde ich begrüßt. Doch ich habe mich direkt wieder zurück gezogen.

Ich blieb also in dem Wagon, in dem ich eingestiegen war und suchte mir erneut einen Platz. Im Zugeingangsbereich stand und saß eine indische Familie mit Kinderwagen und Kleinkind. Da gesellte ich mich dazu. Einer der Söhne turnte an den Haltegriffen herum. Kurzer Smalltalk mit den Eltern auf Englisch. Lächeln wegen der Enge. Ein Feeling wie in der großen weiten Welt.

Ich nahm das Ganze gelassen. Es ging nicht anders. Die Bahn ist halt unflexibel. Ansonsten wären ein oder zwei Wagon mehr an der Lok gehangen. 

©by UMW

Zweifel und gesunder Egoismus

Jeder weiß, dass Zweifel Stolpersteine und Bremsklötze sind. Nur, wie schaffen wir es, diese Hindernisse zu umgehen?

Das Regenwetter nimmt mir den Elan vor die Türe zu gehen. Dafür tigere ich durch die Wohnung. Entdecke, fotografiere und stelle Dinge in verschiedenen Börsen zum Verkauf ein. Dann kommen sie, die zweifelhaften Gedanken. Werde ich meinen ganzen Krempel bis zum Tag X überhaupt los? Was muss ich alles machen? An was darf ich noch denken? Was behalte ich?

Manchmal, aber wirklich selten, frage ich mich, ob ich nicht alles „beim Alten“ lassen solle. Schön brav in die Arbeit dackeln und tun, was von mir verlangt wird. Meine Kinder weiterhin unterstützen…

Nein! Ich will so nicht mehr leben. Wann sonst, wenn nicht jetzt? Die Kinder müssen lernen auf eigenen Beinen zu stehen. Ihren Vater haben sie vor Ort. Dann muss er jetzt mehr DA sein. Die letzten 27 Jahre war das überwiegend mein Job. Für Karriere war nie Zeit und mit Teilzeitarbeit auch unmöglich. Mütter werden mir hier zustimmen. Finanzielle Sicherheit gab es nur partiell. Ein Polster damit aufzubauen war unmöglich, schließlich wollten alle zumindest ein paar schöne Dinge und Unternehmungen erleben. Heute stellen sich die kleinen Freuden und Notwendigkeiten des Alltags, wie Bücher und CDs, Einrichtungsgegenstände als Balast dar.

Darf ich jetzt einfach nur einmal egoistisch sein und meinen Weg gehen? Das soll nicht heißen, dass ich aus der Welt bin und mir alles andere „Wurscht“ ist. Es soll anders laufen. Minimalismus eben. Und das ganze auf einem Boot und dabei die Welt sehen. Anderes erleben.

Es ist Spannung – manchmal unerträglich. Für mich ist wichtig zu wissen, dass ich es will. Einen Weg wird es geben. Daran arbeite ich hart.

Wie immer freue ich mich auf eure Erfahrungen und Gedanken.

©by UMW

So ein verrückter Tag…

Es war ein Tag, an dem Maria schon um 7 Uhr aus dem Bett fiel. Ganz und gar nicht freiwillig, wie sich jeder denken kann. Es war ein Sonntag. Wer steht denn da schon gerne so früh am morgen auf? Tatsächlich gibt es Leute, die das gerne mögen. Nämlich dann, wenn sie eine Unternehmung vorhaben. Und Maria wollte zum Wandern. Mit Ihrer Cousine. Deshalb war sie bereits vor dem Weckerklingeln wach.

Wegen Nebel und der zu erwartenden 10 Grad hatte Maria sich in Schichten angezogen. Kurzarm-Shirt, darüber ein Shirt in Langarm, eine Fließjacke, darüber eine Daunenweste und eine Softshelljacke nahm sie sich vorsichtshalber auch noch im Rucksack mit. Schließlich wusste keiner genau, wie sich das Wetter schlussendlich entwickeln wollte. Für den kleinen Hunger hatte sie Obst und etwas zum Trinken dabei. Cousine Ida war ausgerüstet mit Tee und Broten.

So starteten die beiden pünktlich um 9 Uhr los und waren nach einer Stunde im Sudelfeld angekommen. Zum Wandern waren beide hier noch nicht. Da jedoch eine Freundin auf einer Alm aushalf, hatten sie sich bei dem Nebelwetter hierfür entschieden. Bewegung und Besuch der Alm und somit zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen. Oder so.

Es ging auch schon direkt gut los. Denn eine Wegbeschreibung konnte erst nach längerem suchen gefunden werden. Und die zeigte genau in ein stark bewaldetes Gelände. Durchs Unterholz ging es ziemlich steil erst einmal nach oben. So richtig nach Weg sah das Ganze für beide nicht aus. Maria drängte nach draußen. Auf die Piste. Das befand sie als für sicherer als durch dieses unwegsame Gelände zu laufen. Durch dichte feuchte Nebelschwaden suchten sich beide Frauen den Weg. Einmal blieben sie in, von Kuhspuren, tief ausgetretenen Löchern stecken. Ida versank bis zum Knöchel in diesem Schlamm. Fluchend befreite sie sich daraus, lief bis zur nächsten Ebene und reinigte die Schuhe. Maria konnte darüber nur den Kopf schütteln. Vorerst hatten sie erst einen Teil der Strecke geschafft und wer konnte sagen, wie oft sie noch durch so einen Matsch laufen mussten. Aber jeder, wie er will, dachte sie sich und stapfte weiter bergauf. Tatsächlich hatten sie nach gut zwei Stunden das Gipfelkreuz erreicht. Es war genau Mittags 12 Uhr als sie sich in eine geschützte Ecke drückten, sich am Tee erwärmten und den sich langsam auflösenden Nebel zusahen.

Richtig! Die Sonne kämpfte sich durch und ließ das bunte Laub goldenrot aufleuchten. Welch herrliche Entschädigung! Durchgefroren traten die beiden nach einer halben Stunde den Rückweg an. Schon nach einer guten Stunde hatten sie die Sonnenalm erreicht. Während sie draußen noch Schweinen und Ziegen zusahen, trat Anita aus der Alm nach draußen. Freudig begrüßten sich die Freundinnen, bevor sie alle in die warme Stube drängten. Schnell wurden die schweißnassen Shirts gegen trockene getauscht. Mit warmer Kaspresssuppe einerseits und Knödel mit Blaukraut und Entensoße andererseits wärmten sich beide Frauen auch innerlich auf. Das tat nach der feuchten Kälte gut.

In der Hütte hatten sich drei Musikanten zusammengefunden, die mit Gesang, Zither, Gitarre, Mundharmonika und noch anderen Instrumenten die anwesenden Gäste bespaßten. Dazu natürlich ein loses Mundwerk der Zitherhexe. Das alles, und ein beheizter Kachelofen, sorgten für eine angenehme Stimmung.

Nach der etwas längeren Pause machten sich die beiden Frauen, aufgewärmt und gesättigt, auf den Rückweg. Schon nach einer Stunde waren sie zurück bei ihrem Auto. Die Wandersachen wurden im Kofferraum verstaut und das Verdeck des Cabrio geöffnet. Schließlich wollten sie nun noch ein wenig länger die spärliche Sonne nutzen. Sitzheizung und warme Luft sorgten für ein angenehmes Klima. Herrlich war es so die Kurven ins Tal zu cruisen.

Mit einem Mal meldete sich der Keilriemen mit quietschen. Maria konnte das nicht verstehen, hatte sie diesen doch erst vor einem Jahr tauschen lassen, nachdem er da gerissen war. Das Quietschen hörte gar nicht auf. Ein Geruch nach Gummi beängstigte die Frau so, dass sie bei nächster Gelegenheit an den Straßenrand fuhr. Sie schaltete den Motor aus, löste den Deckel der Motorhaube und stieg aus. Schon beim Öffnen der Motorhaube dampfte es und beim Blick in den Motorraum konnte sie überall Feuchtigkeit feststellen. Die komplette Kühlflüssigkeit war aus dem Behälter heraus, stellte sie mit einem sachkundigen Blick fest. Damit war auch schon Schluss mit der Sachkundigkeit. Unter dem Fahrzeug hatte sich eine Pfütze gebildet und beim Blick auf die Straße konnte sie eine Spur bis zu ihrem Standplatz feststellen. Ach du grüne Neune! Wahrscheinlich hatten sie noch Glück gehabt, dass der Motor nicht mit drauf gegangen ist. Das „was genau“ sollte ein gerufener Automobilclub beurteilen. Vorerst hieß es warten.

Nach einer Weile stellte ein groß gewachsener Motorradfahrer seine schwere Triumph bei ihnen ab, nahm den Helm herunter und bot seine Hilfe an. Er schaute kurz in den Motorraum, lief um das Auto herum. So ein Auto würde ihn auch interessieren, meinte er. Maria, nicht auf den Mund gefallen, bot ihm das Fahrzeug zum Kauf. Im Frühjahr wollte sie das siebzehnjährige Auto sowieso verkaufen. Für sie, der die Möglichkeit und Fähigkeit fehlten, selbst zu reparieren, wurde das Gefährt doch langsam zu teuer. Der Mann wiegte seinen Kopf hin und her und bat erst einmal um die Telefonnummer. Maria dachte sich nichts weiter und diktierte sie ihm. Es gibt ja verschiedene Möglichkeiten etwas an den Mann zu bringen. Warum also nicht auf der Straße bei einer Panne. Der Fremde und Maria unterhielten sich noch eine Weile bevor er aufgrund der untergehenden Sonne weiterfuhr. Ida lachte und meinte, dass DER doch nur geflirtet hat und kein Interesse an dem Fahrzeug sondern an Maria. Maria schüttelte den Kopf. So fertig, wie sie aussah…

Nach zwei Stunden war dann ein Abschleppdienst da und brachte das Fahrzeug in eine nahe gelegene Werkstatt. Den Heimbringdienst hatte sie beim Wechsel zu einem günstigeren Automobilclub übersehen und somit nicht abgeschlossen. Der Werkstattmeister in dieser ländlichen Gegend meinte, dass er versuchen werde kostengünstig neue Keilriemen zu montieren und auszuprobieren, ob es wieder läuft. Auf langfristig sei wohl der Tausch der angerosteten Lichtmaschine nicht zu umgehen. Mit den veranschlagten 250 € konnte sich Maria anfreunden. Es bleibt zu hoffen, dass sie keine weiteren Überraschungen hierzu erhielt.

Nach einer einstündigen Bahnfahrt und einem halbstündigen Fußweg waren die Frauen gegen 21 Uhr endlich zu Hause.

Kaum hatte sich Maria auf der Couch ausgestreckt meldete ein Ton am Handy den Eingang einer Nachricht. Sie kam von Moritz, dem Motorradfahrer. Er wollte wissen, ob sie gut nach Hause gekommen wären. So entspannte sich ein Chat, bei dem sich herausstellte, dass Moritz Maria kennenlernen wollte und zum Essen einlud. Wie Recht doch Ida mit ihrer Beobachtung hatte. Maria konnte sich an das Motorrad erinnern, aber nur vage an den Fahrer. Gut, groß und blond war er. Ansonsten hatte sie von diesem Menschen nichts aufgenommen. Essen gehen konnte sie ja einmal und sich den Mann genauer ansehen, kennenlernen. Sie verpflichtete sich ja zu nichts. So, wie dieser Mann schrieb, war er ziemlich angetan von Maria. Oder zumindest von ihren blauen Augen. Davon wollte er in der nächsten Nacht träumen… Hatte er geschrieben. Maria lachte und schüttelte den Kopf. Mit ein paar schönen Worten war es schwer sie zu beeindrucken. Da durfte Mann sich schon etwas mehr anstrengen. Naja, vielleicht war es ja sowieso nur eine Eintagsfliege. 

©by UMW