Adieu

Nun ist es soweit. Für etwa siebenundzwanzig Jahre war es meine Heimstatt. Eingezogen als Erstmieter. Damals. Die Wohnung könnte Geschichten erzählen. Viele schöne und auch weniger schöne. Wie das Leben eben so spielt.

Heute sind die Räume wieder leer. Eine Matratze liegt noch auf dem Boden und wartet darauf abgeholt zu werden. Ein kleines bisschen Wehmut beschleicht mich.

Ich hatte Großteils angenehme Nachbarn. In der heutigen Zeit ist das ja kein Standard. Die Hälfte der Mieter ist mit mir eingezogen. Unsere Kinder haben miteinander gespielt. Viele Kinder haben inzwischen ihr eigenes Leben, ihre eigene Familie.

Muss ich mich jetzt „alt“ fühlen? Um Himmelswillen! Das werde ich nicht.

Die Schlüssel werde ich heute an die Wohnungsgesellschaft abgeben und die Tür hinter mir schließen. Es wird ein Abenteuer und doch ganz anders als ich vor knapp zwei Jahren dies in einer Kurzgeschichte zusammengesponnen hatte.

Wie treffend ist da dieser Spruch: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue.

Mein neuer Weg ist sicher kein gewöhnlicher. Es ist ein anderes Leben. Ein neues Leben. Ich fühle mich wie ein kleines Kind an Weihnachten. Ungewiss, was es erwartet. Aber voller Vorfreude.

©by UMW

Der Countdown läuft…

Alles auf Umbruch, alles auf Neu. Der Countdown rattert.

  • 16 Arbeitstage
  • 3,5 Wochen bis zum Zuziehen der Wohnungstür hinter mir.

Die Wohnungsauflösung läuft auf Hochtouren. Möbel sind zu 99 % weg. Die Küche sollte spätestens zum 07. September abgeholt sein. Die Schlafcouch wird am 14. September abgeholt und die Waschmaschine am 19. September. Damit sind dann alle großen Dinge aus der Wohnung raus.

Von all den Dingen, die ich bisher abgegeben habe, scheint mir gar nichts zu fehlen. Ich habe nur noch einen Bruchteil meiner Kleidung und nur noch wenige Paare Schuhe.

Es zeigt wieder einmal, wie wenig ich tatsächlich zum Leben brauche und das erstaunt mich jeden Tag aufs Neue.

Die Aufregung steigt mit der Anspannung. Manchmal wache ich panisch auf und meine, ich bekomme es nicht bis zum Auszugstermin am 25. September „gebacken“. Trotz meiner Strukturierung. Solange ich es alleine machen kann, ist es in Ordnung. Sobald andere involviert sind, wird es spannend.

Trotz allem versuche ich, so gut es eben geht, die Ruhe zu bewahren.

©by UMW

 

Überfordert

Gerade im Moment habe ich das Gefühl, dass mich alles überfordert. Zu viel wird. Vielleicht ist es nur meiner Erkältung geschuldet, die mir den Atem nimmt, mich am vernünftig denken hindert.

Drei Monate habe ich noch vor mir. Bis dahin soll die Wohnung leer sein. Die Hausverwaltung hat bereits die Vorabnahme gemacht. Schönheitsreparaturen darf ich trotz meiner 27jährigen Mietzeit noch vornehmen. Sozialer Wohnungsbau, bei der die Stadt das Sagen hat. Da wird nicht renoviert, wenn es nicht unbedingt sein muss. Ich war ein „ordentlicher“ Mieter. Böden sind noch einwandfrei. Und auch sonst sieht die Wohnung gut aus. Es fragt sich nur, wer freiwillig in den 5. Stock zieht. Ohne Aufzug versteht sich. Mir hat mein Blick in die Berge viel bedeutet und die Ruhe da oben. Kein Getrampel über mir oder an der Wohnungstür vorbei. Das hat schon auch seine Vorteile.

Mir geht gerade durch den Kopf, dass ich bis Ende August die Wohnung soweit leer haben möchte, dass ich die Zimmer nacheinander aufhübschen kann.

incollage_20190619_1430500315575922514418474232.jpgEs stehen noch immer Möbel, Geschirr etc. zum Verkauf. Ja klar! Ist ja noch eine Weile. Nur meine Ungeduld… 🙂 Die Leute mögen die Sachen, aber zahlen wollen sie nichts. Obwohl ich sie sowieso weit unter Wert abgebe. Verschiedene Sachen habe ich auch zu verschenken. Selbst da besteht kein Bedarf. Welch eine verwöhnte Gesellschaft haben wir? Am Ende darf ich mein Hab und Gut am Wertstoffhof entsorgen. Das wird mir sicher schwer fallen, aber lieber entsorge ich alles bevor es jemand bekommt der es nicht wertschätzt. Vielleicht passiert aber noch ein Wunder! Wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Die Hausverwaltung wird, mit meinem Einverständnis, meine Kontaktdaten an Wohnungsuchende weitergeben. Bis zu fünf Familien werden sich bei mir melden. Ich bin gespannt. Nach mir wird, meiner Annahme nach, eine Flüchtlingsfamilie hier eine Unterkunft finden. Davon gibt es mehr als genug in München und irgendwo müssen sie ja unterkommen. In letzter Zeit ist in meiner Umgebung fast jede frei gewordene Wohnung von einem stark pigmentierten Menschen bezogen worden. Ja, die Stadt ist vielfältig.

©by UMW