Marienthal

(und die Sicht auf Arbeitslosigkeit)

Marienthal ist ein Ort in Österreich mit 1486 Einwohnern (478 Familien) und befindet sich im Steinfeld, wenige Kilometer östlich von Wien gelegen. Im Jahre 1830 gründete Hermann Todesko dort eine Flachspinnerei, die sich zu einer der größten Textilfabriken der Österreichisch-Ungarischen Monarchie entwickelte und später bis zu 1200 Mitarbeiter beschäftigte. In den Anfangsjahren entstand um die Fabrik das Dorf Marienthal, damit die Arbeiter in unmittelbarer Nähe zur Spinnerei wohnen konnten. Durch den Zusammenbruch des österreichischen Kaiserreiches verlor die Textilfabrik den größten Teil ihrer Absatzmärkte in Ungarn und auf dem Balkan was dazu führte, dass 1926 die Hälfte der Belegschaft entlassen wurde. Im Jahre 1929, noch vor dem Beginn der Weltwirtschaftskrise, wurden die Spinnerei, die Druckerei, die Bleiche und im Februar 1930 die Weberei stillgelegt. Wenige Tage nach der Schließung der Textilfabrik, wurden sechzig Mann der Belegschaft damit beauftragt, die Gebäude abzureißen, was zur Folge hatte, dass das ganze Dorf arbeitslos wurde. Zu dieser Zeit gab es in Wien und Umgebung nicht genügend Arbeit, so dass die Marienthaler arbeitslos blieben (vgl. Jahoda u.a 1975, S. 32-36).

Vor einigen Tagen haben wir im Seminar die Studie zur Arbeitslosigkeit der Marienthaler bearbeitet und auch den Film hierzu gesehen. Die Marienthal-Sudie von 1933 gehört zu den Klassikern der sozialwissenschaftlichen Forschung und gilt auch heute noch als vorbildliche empirische Studie. Die Originalausgabe aus dem Jahr 1933 wurde kurz nach ihrem Erscheinen auf dem Scheiterhaufen der großen Buchverbrennung geworfen. 1960 erfolgte hier eine neue deutsche Auflage. Über die Geschichte dieser Studie kann im Web vieles nachgelesen werden. Zudem gibt es ein Buch und einen Film.

Jeder, der schon einmal in der Situation der Arbeitslosigkeit war kann sich sämtliche Gefühle, die einen „überkommen“ vorstellen. Die Gefahr einer langfristigen Arbeitslosigkeit birgt viele Unannehmlichkeiten, auch wenn wir in Deutschland finanziell einigermaßen abgesichert sind. Die Problematik liegt meiner Meinung nach viel mehr in den psychischen und soziologischen Folgen (Sozialer Rückzug, Vereinsamung).

Durch die Marienthal-Studie haben sich vier Haltungsweisen der Arbeitslosen herauskristallisiert, die ich hier kurz vorstellen möchte:

Ungebrochene Haltung: Aufrechterhaltung des Haushaltes, Pflege der Kinder, subjektives Wohlbefinden, Aktivität, Pläne und Hoffnungen für die Zukunft, aufrechterhaltene Lebenslust, immer wieder Versuche zur Arbeitsbeschaffung.

Resignierte Haltung: Aufrechterhaltung des Haushaltes, Pflege der Kinder, Gefühl des relativen Wohlbefindens, keine Pläne, keine Beziehung zur Zukunft, keine Hoffnungen, maximale Einschränkung aller Bedürfnisse, die über die Haushaltsführung hinausgehen.

Verzweifelte Haltung: Aufrechterhaltung des Haushaltes, Pflege der Kinder, Verzweiflung, Depressionen, Hoffnungslosigkeit, keine Pläne, Gefühl der Vergeblichkeit aller Bemühungen, keine Arbeitssuche, keine Versuche zur Verbesserung, wiederkehrende Vergleiche mit der besseren Vergangenheit.

Apathische Haltung: Wohnung und Kinder sind unsauber und ungepflegt, Stimmung ist gleichgültig, keine Pläne, energieloses, tatenloses Zusehen, keine Hoffnung auf Besserung, Wirtschaftsführung ist unrationell, viele Bettler.

Wenn ich mir die vier Haltungen ansehe, so beginnt die resignierte Haltung spätestens beim Abrutschen in HartzIV. In der heutigen Zeit ist ein Jahr, in dem wir Arbeitslosengeld I erhalten sehr schnell vorbei. Selbst hoch gebildete Menschen sind betroffen und es zieht sich durch sämtliche Gesellschaftsschichten.

Unsere Gesellschaft ist sehr stark auf Leistung und Erfolg geprägt, so dass nur gilt, wer etwas leistet. Die Bemühungen werden häufig übersehen oder gar ausgeblendet. Wir bekommen immer mehr hoch qualifizierte Menschen. Viele Kinder werden durchs Gymnasium „geprügelt“, damit sie eine gute Basis haben. Ich bin der Meinung, es sollte wieder mehr Mensch gesehen werden. Wie viele Menschen sitzen in Positionen, die sie weder gut erfüllen können noch Freude daran haben. So kann keine Leistung erbracht werden. Und das zieht sich quer durch sämtliche Branchen. Ich schweife ab… Darüber werde ich bei Zeiten in einem anderen Blog schreiben.

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Die Suche nach Haken und Ösen

(oder: Ein Geschenk des Himmels)

handeherz
aus dem www

Nach mehreren Jahren auf einer Single-Plattform hatte Maria es aufgegeben überhaupt noch daran zu glauben wieder Jemanden für ihr Herz zu finden. Abenteuer gab es mehr als genug. Also konnte sie auch nur spielen. Die meisten Männer waren sowieso bindungsunwillig. Ihnen reichte ein Körper um Gelüste zu stillen. Für Maria war das genau genommen zu wenig. Aber auch sie hatte ihre Lust, die sie hin und wieder befriedigt haben wollte.

Über die Single-Plattform hatte sie inzwischen einen bunten Freundeskreis aufgebaut. Mit diesen Leuten verbrachte sie Abende beim Feiern, Tanzen, Grillen, Motorrad fahren und vielen anderen Aktivitäten.

Bei einem dieser gemeinsamen Abende lief ihr Charlie über den Weg. Es war gerade Sommer, die Nacht lau und sie gemeinsam mit Freunden im Biergarten. Über einen gemeinsamen Freund kamen die beiden ins Gespräch. Das Gespräch verlief sehr interessant und so gab Charlie seine Mobilnummer an Maria, damit sie in Kontakt bleiben konnten. Für Maria war eine so frühe Weitergabe der Kontaktdaten unüblich. Das hatte für sie etwas mit Vertrauen zu tun, die in diesem Fall ja doch noch gar nicht gegeben war. Charlie erklärte ihr, dass er häufig im Ausland unterwegs sei, aber doch mit ihr schreiben wolle. So konnte Maria es für sich akzeptieren und ihm eine Nachricht übers Mobiltelefon zukommen lassen, damit er auch ihre Nummer speichern konnte.

Von da an schrieben sie erst einmal recht locker – so hin und wieder meldete er sich und sie antwortete brav. Wenn Veranstaltungen geplant waren lud sie ihn mit dazu ein und so trafen sie sich in der Gruppe, wenn es passte. An einem Tag im Sommer war ein Grill-Event am See ausgemacht. Dieses Mal wollte er etwas ausführlicher mit ihr reden um sie besser kennen zu lernen. Sie verabredeten sich für den Tag, unterhielten sich über verschiedenste Themen und schwammen lange Strecken im See. Dabei stellten sie fest, dass die Interessen und Ansichten sehr ähnlich sind.

Am Abend wollte eine Gruppe der Bekannten noch zu einer Tanzveranstaltung. Clara bearbeitete Charlie, dass er doch auch mit Maria mitkommen solle und es ein großer Spaß wäre. Nach längerem Betteln ließ sich Maria darauf ein, schließlich tanzte sie sehr gerne.

Der Abend war ein voller Erfolg und für die Beiden erste zarte Bande für etwas Gemeinsames geknüpft. In den Folgewochen verbrachten Charlie und Maria sehr viel Zeit miteinander. Da sie doch sehr ähnlich gelagertes Interesse haben verbrachten sie Zeit in den Bergen und am Wasser. Der Gesprächsstoff schien nie auszugehen und auch der Sex war absolut genial. Beide konnten es nur schwer glauben. Irgendwo musste es doch mindestens einen Haken geben?

So problemlos und mit so viel Freude… Das kann es doch gar nicht geben. In den vergangenen Beziehungen und Liebschaften gab es immer etwas über das man sich geärgert hatte. Hier noch nicht und es war ja nun doch schon Zeit vergangen. Es wurde bereits für die Zukunft geplant.

Ich wünsche von Herzen, dass es eine lange unbeschwerte Zeit wird. Und sollten doch einmal Haken (und Ösen) auftauchen so soll ein buntes Band durch gezogen werden, damit Fröhlichkeit und Freude hier ein Zuhause haben.

Mir scheint, der Himmel hat zwei Menschen ein Geschenk gemacht…

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NEID

Warum eigentlich?

Auf was?

Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich!

Neid auf die Schönheit des Anderen?

Wahre Schönheit kommt von innen und ist Ausstrahlung, Charme und Freude. Jeder Mensch hat seine eigene Schönheit und nicht alles ist sichtbar – aber spürbar!

Neid auf die Jugend?

Lebe im Hier und Jetzt und sei einfach du selbst. Wer in sich ruht und lebt ist unabhängig von der Bezifferung der Lebensjahre. Der Jugend werden viele Torheiten nachgesehen, im Alter ist man gereift – wie guter Wein. Vielleicht nicht immer intelligenter, aber dafür meistens beständiger.

Neid auf Erfolg?

Nur weil der andere ein größeres Auto fährt, ein größeres Haus sein eigen nennt und sonstigen sichtbaren Reichtum hat, heißt das noch lange nicht, dass er tatsächlich erfolgreicher oder zufriedener ist.

Viele Menschen sehen nur, was dem anderen zur Verfügung steht, was er sich erarbeitet und erschaffen hat. Übersehen in ihrem ganzen Neid, dass sie ihr eigenes Leben aus den Augen verloren haben.

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