Ganz in Weiß

IMAG0729Er ist angekommen. Der Herr Winter. Bei uns in Europa. Auf jeden Fall in den germanischen Ländern über 500 NN. Sollte ich mich irren, dann korrigiert mich bitte 😉

Dicke Flocken segeln nun seit Tagen zu uns auf die Erde. Vor meinem Fenster türmt sich das Weiß auf etwa einen halben Meter. Dabei wohne ich in der Stadt. Unter dem Dach. Dieses kalte Weiß findet Zugang in mein Zimmer sobald ich das Dachfenster öffne. Schwer lässt es sich nur öffnen mit der Schneelast. Aber mit ein bisschen Mucki-Einsatz schaffe ich das. Beim Schließen rutscht der Schnee nach unten. Zumindest solange es so pulvrig und noch ungetaut ist.

Ich genieße diese klare Luft am Morgen. Wenn ich ehrlich bin, sogar den ganzen Tag. Dieses Weiß macht mir unbändige Freude. Deckt es doch alles zu und lässt alles sauber und unberührt erscheinen. Es ist mir absolut klar, dass es viele Menschen gibt, die den Winter weniger mögen. Autofahrer, die verschneite Straßen verfluchen, weil sie ihrem (selbstgemachten) Stress nicht mehr nachgeben können. Dabei ist es doch gut, wenn uns die Natur zu etwas mehr Ruhe zwingt. Zu etwas mehr Besinnung. Uns „einfriert“.

Schön finde ich es auch, wenn es die Kinder von ihren Computern, Mobiltelefonen und sonstigen Elektronischem wegholt. Nach draußen für Spaß mit anderen Kindern. Spaß beim Schneemann bauen, Schlitten oder Ski fahren. Ja, auch in der Stadt gibt es kleine Berge, die das möglich machen. In Parks und Grünanlagen.

Rafft euch auf und genießt diese Freude. Gemeinsam mit den Kindern. Vielleicht könnt ihr auch Kollegen überreden in der Mittagspause einen Schneemann zu bauen. Wenn es mir gelingt, werde ich über das Ergebnis schreiben oder ein Foto auf Instagram (berge_meer_freak) einstellen.

In diesem Sinne, genießt die „Weißen Tage“ 🙂

©by UMW

 

Gedankenfragmente

Morgens um sechs scheint die Welt noch in Ordnung. Ich sitze auf meinem Fahrrad und empfinde so einiges. Ich empfinde Kälte, Wärme und auch gar nichts. Das einzige, was mich fesselt, sind meine herum turnenden Gedanken. Gedanken über dies und das, was mir gerade mein Empfinden so durch die Windungen schickt.

Trotz der mageren vier Grad ist mir mein Daunenmantel zu warm, mein Schal zu viel. Ich öffne den Reißverschluss. Erst ein kleines Stück, dann komplett. Handschuhe habe ich mir heute Morgen gespart und das war eine richtige Entscheidung.

Meine Gedanken jagen mich. Ich habe so viele Träume. Träume, die ich gerne verwirklichen möchte. Schaffe ich das? Genau betrachtet brauche ich den dreifachen Verdienst und doppelt so viel Urlaub. Ist das machbar? Wie ist es machbar? Wo muss ich noch etwas verändern? Mich verändern…

Manchmal möchte ich alles hinwerfen, alles aufgeben. Und hinaus in die Welt. Da wünschte ich mich zurück in meine Zwanziger/Dreißiger Jahre. Altersmäßig meine ich das. Dazu die Möglichkeiten und die Technik von heute. Oder ist das auch im fortgeschrittenerem Alter möglich? Bisher bin ich noch zu keinem Ergebnis gekommen.

Hier hält mich wenig. Gut, meine Kinder. Die Familienanbindung. Ein paar liebe Freunde. Das kann und darf mich jedoch nicht hindern, das zu tun, wonach sich meine Seele sehnt. Die Sehnsucht scheint noch auf kleiner Flamme zu brennen. Noch. Sobald die Flamme brennt, bin ich fort. Irgendwo am Wasser. Vielleicht auf einem Segler als Smutje 😀 oder als Sennerin auf einer Alm. Es zerreißt mich…

©by UMW

Nebelmorgen

Kälte umfängt mich, Kälte ist in mir.

Wo ist die Wärme? Fort ist sie – mit dir.

Nebel kriecht über den Boden,

Kriecht durch den dicksten Loden,

Ergreift mich tief im düstren Morgengrauen

Während hoch oben am Himmel

Die Sterne auf mich herunter schauen.

Ganz hell leuchtet jetzt der Morgenstern,

Winkt mir zu, obwohl so fern

Mit seinem Zwinkern schickt er mir Freude

Die Natur ist mein Zeuge

Sie erwärmt meine Seele

Schickt Töne durch die Kehle

die im kalten Nebel juchzend erfrieren.

©by UMW

Zauber in Weiß

Oben auf dem Berg

bleibt der Mensch ein Zwerg.

Zwar dem Himmel ganz nah

Mit dem Gefühl er sei am Polar

Schmeckt er köstliche Kühle

Erschauderernd fühlend frostigen Wind

Tränende Augen machen ganz blind.

Mit ihrem Zauber in Weiß ganz pur

Verzaubert den Mensch die Natur.

©UMW

 

 

Morgens bei -4 Grad

Ein rosaroter Morgenhimmel lockt

Während der innere Schweinehund noch bockt

Schnell wird der in die Ecke gedrängt

Der Body in das Laufg’wand gezwängt

Und die Schuhe geschnürt.

Eisige Luft mir die Lungen füllen

Orishas mir in die Ohren brüllend

Mir einen Takt vorgeben

Zu dem sich meine Füße bewegen.

Welch herrliches Gefühl nach dem Lauf

Gerötet und durchgefroren

Schnell noch Treppen hinauf,

Ab in den heißen Wasserstrahl

Für mich ist es die beste Wahl

Mich zu spüren und zu LEBEN!

©UMW

 

 

 

Eisig

Als Frischluftfanatiker habe ich mein Fenster auch über Nacht ein wenig geöffnet. Ein Dachfenster lässt sich nicht kippen wie herkömmliche Fenster, deshalb ist der Öffnungsspalt variabel. Kühl schläft es sich einfach besser. Ich gestehe aber, dass ich bei knackigen Minustemperaturen die Fenster schon auch schließe. Bisher lagen die Nachttemperaturen noch immer über Null.

Beim Erwachen heute Morgen war mein Hals kratzig und die Luft fühlte sich sehr kühl an. Mein Blick zum Fenster zeigte mir Sonnenwetter. Das Fenster erschien mir trüb, angelaufen. Bei einem näheren Blick sah ich jedoch: Vereist! Mein Blick wanderte auf die Wetterapp vom Mobiltelefon. Hier zeigte es mir 0 Grad an. Es lässt sich nicht leugnen, dass der Winter im Anmarsch ist.

Es ist Zeit für leckere Tees, warme Jacken und dicke Schals. Von der Kälte lassen wir uns niemals ausbremsen 🙂

©UMW

 

Berechnend (Teil II)

Es war ein paar Tage her, dass Bruno zu Besuch bei Sabrina war. Er wollte seine Liebste zum nächsten Wochenende wieder sehen. Nach der Kälte in seiner Ehe hatte er Nähe und Wärme dringend nötig und das bekam er nun mal nur bei Sabrina.

In diesen Tagen hatte er einiges zu erledigen, zudem er aber keinerlei Lust verspürte. Das Schlimme war, er musste für dieses Projekt mit seiner Frau zusammen arbeiten. Bei dem Projekt ging es um ein gemeinsames Miethaus, das saniert werden sollte. Für Bruno war es keine Teamarbeit. Sie stritten sehr viel und durch die verschiedenen Auffassungen war es unmöglich vorwärts zu kommen. Karen wollte das Miethaus hochwertig sanieren und somit auch ein anderes Mieterklientel rein haben. Er hingegen wollte es nach dem Motto „Gut und vernünftig“ sanieren, so dass es sich junge Familien mit weniger Verdienst und auch ältere Menschen mit kleiner Rente noch leisten konnten. In solchen Dingen war er sehr sozial eingestellt. Ihr ging es nur ums Geld. Immer mehr und mehr. Heute Nachmittag sollte der Steuerberater vorbei kommen, damit sie die steuerlich günstigere Möglichkeit anwenden konnten. Das war die letzte Möglichkeit in dieser Sache zu einer vernünftigen Einigung zu kommen.

Jetzt verspürte er erst einmal Lust auf einen Kaffee, den er aber im Café vor dem Brunnen trinken wollte. Er schnappte sich sein Jackett und ging nach draußen. In seiner Jackentasche spürte er etwas knistern. Was war das? Er holte es heraus, sah darauf und dann fiel es ihm wieder ein. DIE Tabletten. Mit ausholenden Schritten ging er am Brunnen vorbei, lächelte ein paar jungen Frauen zu und setzte sich an einen kleinen Tisch im Schatten. So konnte er den Platz gut überblicken und bekam mit, wenn der Steuerberater eintraf. Die Bedienung nahm seine Bestellung auf. Er hatte Lust auf etwas Süßes und bestellte sich zu seinem Cappuccino einen Himbeerkuchen  mit. Etwas Nervennahrung konnte in der stressigen Situation nicht schaden.

Dann begann er sich Überlegungen zu dem Blister zu machen. Seine Frau musste seit einiger Zeit Tabletten einnehmen, die ihren Blutdruck senkten. Seit dem war sie zwar etwas ruhiger, aber noch immer unausstehlich. Wie konnte es nur soweit kommen? Warum hatte er früher nie bemerkt wie sie ist? Oder hatte er sich verändert. Sobald sie in der Nähe war, gab es nur Gekeife. Das war so anstrengend. Er wollte das nicht mehr. Eine Scheidung kam nicht in Frage, das wäre eine „Never ending Story“. So drehten sich seine Gedanken im Kreis. In dem Moment sah er den Steuerberater parken. Er rief die Bedienung, bezahlte und ging nach Hause.

Der Steuerberater wollte gerade klingeln, aber da stand Bruno schon neben ihm und begrüßte ihn freundlichen. „Kommens doch herein, Herr Meiergrundler. Freut mich Sie zu sehen und schönen Dank, dass Sie bei uns vorbeikommen“, sagte er. „Meine Frau ist oben. Dann schauen wir mal, welche Variante Sie uns empfehlen.“ Gemeinsam gingen sie ins Arbeitszimmer. Karen war bereits im Zimmer und hatte ein wenig Fingerfood und Getränke bereit gestellt. „Grüße Sie, Herr Steuerberater. Freut mich, dass Sie da sind. Dann schauen wir mal, ob Sie uns weiterhelfen können. Setzen Sie sich doch erst einmal hin. Möchten Sie etwas trinken?“ redete Karen auf Herrn Meiergrundler ein. Der Steuerberater sah erst einmal etwas verwirrt drein, bat dann aber um eine Tasse Kaffee. Karen brachte ihm das Gewünschte und setzte sich zu den Männern.

Es wurde viel gesprochen und gerechnet. Schlussendlich fand man eine Möglichkeit, die Karen akzeptieren sollte und nach längeren Debatten zustimmte. Auch wenn sie hier ihren Willen nach teurer Sanierung nicht bekommen hatte. Nach der Sanierung konnte die Miete in den nächsten drei Jahren um bis zu 20 % angehoben werden, das hatte für sie den Ausschlag gegeben, denn das wollte sie auf jeden Fall durchziehen. Der Steuerberater verabschiedete sich und ging. Er war froh von dem ungleichen Paar weg zu kommen. Diese Streitereien waren ihm unangenehm.

Karen räumte noch auf während Bruno ins Wohnzimmer ging. Er schnappte sich die Fernbedienung und fläzte sich auf die Couch. Da sah er die Blutdruck senkenden Tabletten von Karen liegen. Der Blister schaute etwas aus der Schachtel heraus. Er sah sich den Blister genauer an. Der sah ja aus, wie der in seiner Jackentasche! Das musste er sich jetzt genauer ansehen. Er holte die anderen Tabletten aus seinem Jackett und verglich beide Blister miteinander. Der einzige Unterschied war die Schriftfarbe, der Hersteller war derselbe. Schnell tauschte er beide Blister miteinander aus und schob die Blutdrucksenkenden in seine Hosentasche. Die wollte er nachher gleich mit dem Müll nach draußen bringen.

Kaum hatte er den Tausch vorgenommen, da erschien Karen bei ihm im Wohnzimmer. „Du hättest auch mit aufräumen können“, keifte sie ihn an. „Jetzt hab dich nicht so“, erwiderte er genervt. Da fing sie auch noch an, den Couchtisch abzuräumen und sorgte so für noch mehr Unruhe. Damit brachte sie Bruno auf die Palme. „Kannst du nicht einmal einfach nur Ruhe geben? Muss das jetzt sein?“ schimpfte er, schaltete den Fernseher aus und ging ins Gästezimmer.

Karen lächelte in sich hinein. So, jetzt hatte sie wenigstens hier Ruhe und konnte ihre Serie ansehen. Sie holte noch die angebrochene Flasche Prosecco aus dem Kühlschrank und goss sich ein Glas ein. Dabei fiel ihr ein, dass sie ja ihre Tabletten noch nehmen sollte. Am Mittag hatte sie die Einnahme schon vergessen. Was soll es, dachte sie sich und drückte sich zwei Tabletten in die Hand und kippte diese mit einem großen Schluck Wasser runter. Nach dem Film zappte sie durch die Sender. Ihr war auf einmal so heiß. Sie öffnete die Balkontüre, aber es wurde nicht wesentlich kühler. Außerdem hatte sie starkes Herzklopfen. Komisch, dachte sie. Was ist nur los? Sie brauchte noch etwas zu trinken. So durstig. Es hatte nichts Scharfes zu essen gegeben. Da hätte sie es noch verstanden. Sie schüttelte den Kopf und erhob sich, um in die Küche zu gehen. Ihr verschwamm alles vor den Augen. Sie torkelte und krachte auf den Wohnzimmertisch, der mit lautem Knall zerbarst.

Bruno rumpelte erschrocken hoch und sah sich um. Was war das denn? Er stand auf, um nach der Ursache zu suchen. Da fand er seine Frau liegend auf dem Boden im Wohnzimmer. Er ging zu ihr und hockte sich neben sie. Sie atmete heftig und krächzte: Krankenwagen.