Moderne Sklaverei

Sie lassen dich arbeiten rund um die Uhr

Emsig hältst du dich an deinen Schwur

Und arbeitest dich kaputt in wenigen Wochen,

Bist du bald nur noch Haut und Knochen.

In Probezeiten kann ihnen nicht viel passieren,

Da können sie Mitarbeiter strapazieren.

An Verträge fühlen sie sich nicht gebunden.

Die Mitarbeiter werden geschunden,

Vieles steht auf einem Stückchen Papier.

Was nützt es, wenn die Arbeit reicht eigentlich für Vier?!

Ein Mensch heute hat nicht mehr viel Wert,

Aus Angst vor Verlust wird sich selten beschwert.

Wer heute dennoch den Mut hat und spricht

Hört, dass unerwünscht ist, wer um seine Rechte ficht.

©UMW

Müdigkeit

Seit Wochen zieht sie sich durch mein Leben.

Erschöpft und lustlos reihen sich die Tage

in denen ich bereits müde aufwache.

Ohne Rhythmus wird es kaum einen Sinn ergeben

um Zufriedenheit zu erlangen.

So kämpfe ich mit mir, um einen Ablauf zu erreichen,

das ist so eine Sache.

Es braucht ein Ziel! sage ich mir mit Bangen

und gebe mir Aufgaben für jeden Tag.

Nur so kann diese Langeweilenutzlosmüdigkeit die Segel streichen.

©UMW

In der Tiefe…

Wieder einmal stand sie an dieser Schwelle. Sollte sie es dieses Mal wagen? Die Stufen gingen steil nach unten. Und es sah gespenstisch dunkel aus. Das bisschen Licht, was da flackerte, ließ nur Schemen erahnen.

Chili trug lediglich ein weißes langes Hemd. Kurz überlegte sie, ob sie eine Strickjacke mitnehmen solle, aber die Luft die ihr entgegen blies war angenehm lau. Während sie noch überlegte, ob sie diese Schwelle übertreten solle, wurde der Sog nach unten zu gehen sehr stark. Schon fast penetrant. Diese Überlegung war ihr nun abgenommen worden. Sie setzte einen Schritt vor den anderen. Folgte den Stufen nach unten. Hohe Stufen. Es kostete sie Kraft, das Gleichgewicht zu halten. Sie zählte die Stufen beim Abstieg mit. Nach der dreißigsten Stufe kam ein kleiner Absatz, auf dem sie kurz verweilte. Sie atmete tief durch. Der Abstieg war anstrengend. Die Luft war frisch und klar, obwohl es in die Tiefe ging. Ihr war etwas warm geworden. Sie strich ihre langen Locken aus dem Gesicht und leckte die Schweißperlen von der Oberlippe. Vielleicht hätte sie Wasser mitnehmen sollen.

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Von dem Plateau gingen zwei Eingänge weg, die jedoch sofort wieder endeten. Die Stufen, die sie jetzt zu gehen hatte, waren etwas weniger hoch, aber es wurde steiler. Chili tastete die Seitenwände ab und fand ein Stahlseil, an dem sie sich festhalten konnte. Die Wände fühlten sich wie Fels an und waren feucht. Wo war sie hier eigentlich? Was wollte sie hier? Oder besser: Was sollte sie hier?

Der Boden unter ihren Füßen war glatt, aber griffig. Sie tastete sich barfuss vorwärts. Mit jedem Schritt in die Tiefe überkam sie immer mehr Ruhe. Die Stille hatte etwas Heimeliges. Weit entfernt konnte sie eine Melodie spielen hören.

Plötzlich hörten die Stufen auf und Chili stand auf einem Felsplateau. Das Plateau war ein Überhang, der gut 200 Meter lang und 50 Meter breit war. Vorsichtig trat Chili nach Vorne und blickte nach unten. Ein Stück ging es noch nach unten, das Ende jedoch war nur schwer zu erahnen. Ein glitzern konnte sie sehen. Ein Licht?

Die Ruhe hüllte sie ein, wie in eine wattige Umarmung. Es war still, bis auf diese leise Melodie in der Ferne. Die Entfernung schien sich nicht verändert zu haben, da es weder lauter noch leiser geworden war. Merkwürdig.

Die junge Frau sah sich um und suchte nach den Stufen, die sie weiter nach unten führen sollten. Es gab keine. Erschöpft setzte sie sich an den Fels, lehnte sich an und schloss die Augen.

Durch die Anstrengung war sie gut erhitzt und durch ihr dünnes Hemd fühlte sie die Kühle des Felsens. Anfangs fühlte es sich gut an, dann wurde es fast eisig. Erschrocken riss sie die Augen auf. Alles war dunkel. Der Schein, der sie die ganze Zeit begleitet hatte war verschwunden. Sie fror. Ihr war eiskalt und sie war unbeweglich. Was war los? Ein höhnisches Gelächter war um sie herum. „Du bist jetzt mein!“ sagte diese Stimme, die von überall her zu kommen schien. Ihr Blut schien gefroren zu sein und ihr Herz schlug einen sehr langsamen Rhythmus. Fast schon tot.

Ganz leise wisperte eine andere Stimme in ihr: „Höre auf die Melodie. Das ist dein Leben“. Diese Melodie, der Gedanke an die Melodie war so schwammig. So schwer zu erinnern. „Du musst!“ wisperte die Stimme. „Du musst!“ Mit Gewalt klammerte sich Chili an diese so ferne Erinnerung, an diese Melodie. Langsam war die Melodie wieder fühlbar. Es war ein feines Band. Durch ihren Willen wurde es stärker und die Melodie besser hörbar. Sie konnte ihren Herzschlag wieder wahrnehmen. Noch abgehackt, aber es wurde stabiler und vor allem wärmer. So langsam konnte sie sich wieder bewegen.

Als sie die Augen aufschlug war die Umgebung eine andere. Sie war unten angekommen. An einem See. Es glitzerte. Das war wohl das Licht gewesen, welches sie vom Plateau aus gesehen hatte.

Chili stand unter Schmerzen auf. Sie sah an sich herunter. Das Kleid hing in Fetzen herab und ihre Haut hatte grobe Abschürfungen. Welchen Kampf hatte sie da ausgefochten?

Ihr Lebenswille hatte gesiegt. Zum Sterben war es noch zu früh.

Die Frau zog das, was vom Kleid übrig war aus und ging auf das Wasser zu. Das Wasser war angenehm warm. Sie begrüßte diesen sanften Schmerz, der durch das Wasser ihre Wunden reinigte. Dann überlies sie sich dem See. Auf dem Rücken liegend wurde sie von der Strömung aufgenommen und trieb auf das Licht zu. Sanft wurde sie vom Mondlicht begrüßt. Es war Vollmond.

©UMW

Starke Frauen

(oder: Stehauf-Weibchen)

Die Gesellschaft hat dich zu dem gemacht,

was du zu scheinen magst.

Dein Leben hat dich oft ausgelacht.

Es sind die Erfahrungen, die dich geprägt.

Nach außen zeigst du dich

Willensstark, tatkräftig und verbissen.

Im Innen wünschst du dir

Dich einfach fallen lassen zu dürfen und

Schwäche zu zeigen.

Du kämpfst täglich, für

deine Kinder, dein Leben, dein Überleben.

Wie oft hat dich das Leben abgewatscht?

Wie oft warst du schon ganz unten?

Wie oft bist du schon aufgestanden?

Stärke zeigen – Stärke geben!

 ©UMW