Lebe und lache!

Wir haben alle unser Leben und es liegt an uns, was wir daraus machen.

Warum nicht einfach das Leben feiern? Genau dann, wann es sich ergibt. Ohne daran zu denken, was „erlaubt“ oder „verboten“ ist. Wir sind Mensch und erwachsen genug um eigenständig und vor allem eigenverantwortlich zu denken bzw. zu leben.

Kennengelernt hatten wir Frauen uns vor einiger Zeit bei einem Danser Encore. Lebensfreude erlebt und gelebt. Mit Singen, musizieren und im Park tanzen. Wunderbar!

Spontan haben wir uns privat getroffen, miteinander Spargel geschält und gekocht. Gesprochen über dies und das. Vier Frauen, vier unterschiedliche Leben und im Alter von Mitte vierzig bis Ende fünfzig. Was uns vereint? Jede ist in irgendeiner Weise künstlerisch tätig.

Wir hatten gute Gespräche über Gott und die Welt. Was wir tun können, um im Einklang mit der Natur besser zu leben. Eventuell einen Schritt rückwärts zu gehen, um es besser zu machen.

Die Nacht war lang… Erst nach Mitternacht bin ich auf meinem Stahlross nach Hause gefahren. Beseelt. Glücklich. Gemeinschaft tut gut. Es ist das, was uns als Mensch ausmacht und so wichtig für unser seelisches Gleichgewicht.

Fühlt euch gedrückt, umarmt.

by UMW

Danser Encore

Ich liebe die Lebensfreude der Franzosen im Allgemeinen und hier von HK et les Saltimbanques ganz besonders. Er hat diesen Song für die Freiheit geschrieben und auf die Straßen gebracht. Dafür wird er seitens der französischen Regierung massiv attackiert. Hoffen wir, dass es für alle friedlich bleibt.

Inzwischen auch deutschlandweit und hier speziell aus München

©by UMW

Berechnend (I)

Ein herrlicher Frühlingstag. Die Sonne stand hoch am Himmel und lockte alle, die Zeit hatten, aus den Häusern. Seit wenigen Tagen waren die Brunnen der Stadt abgedeckt und ihre Fontänen sprühten in den Himmel. Junge Frauen in ihren kurzen Röcken hatten es sich am Brunnenrand bequem gemacht und lachten während sie ihr erstes Eis schleckten.

Bruno kam aus seinem Büro, setzte sich seine Sonnenbrille auf die Nase und lies seinen Blick über die Piazza wandern. Mit seinen sechzig Jahren sah er richtig gut aus. Seine Haare waren noch tief schwarz, mit wenigen grauen Strähnen, die seine Attraktivität verstärkten und einem gut durchtrainierten Körper. Seine Attraktivität wurde durch sein Porsche-Cabrio noch unterstrichen. Er strich kurz liebevoll über sein neues Automobil, bevor er seinen Weg zur Piazza aufnahm. In Gedanken war er bei seiner Frau, die ihn heute wieder einmal bis aufs Blut gereizt hatte. So konnte das nicht weiter gehen. Immer diese eifersüchtigen Sticheleien! Gut, sie hatte Recht. Vielleicht trieb er es ein bisschen zu heftig mit den vielen jungen Frauen. Sie liebten ihn. Vielleicht mehr sein Geld. Aber es war ihm egal. Er hatte viel Sex, guten Sex und vor allem äußerst vielfältigen Sex. Seine Frau bot ihm das schon lange nicht mehr. Und Sex war nun mal sein Elixier!

Während Sabrina aus der Hahnen-Apotheke heraustrat, las sie sich den Beipackzettel ihres Medikamentes durch. Sie blieb kurz im Schatten stehen und las die Beschreibung komplett. Diese ganzen Nebenwirkungen! Der Arzt hatte es ihr jedoch dringlich ans Herz gelegt, dass sie für die nächsten drei Monate diese Chemiekeule schlucken sollte. Nur so könne sich ihr Gesamtzustand wesentlich verbessern. Ihre Operation lag bereits ein halbes Jahr zurück, aber sie fühlte sich noch immer geschwächt. Sie wollte, dass sich das änderte. Wo blieb dabei die Lebensqualität? Also würde sie den Rat des Arztes befolgen und dieses pharmazeutische Produkt zu sich nehmen. Für einen gesunden Menschen konnten diese Tabletten den Tod bedeuten, für sie bedeutete es zu leben. Sabrina nahm ihre Sonnenbrille vom Kopf, die sie sich zuvor in die langen nussfarbenen Haare geschoben hatte, und setzte sich diese auf. Heute blendete die Sonne besonders, zudem war es angenehm warm für diesen Märztag. Sie wollte den Tag in einem Café noch etwas in der Sonne genießen. Für den Stadttag hatte sie sich besonders schick gemacht. Am Morgen hatte sie sich für das Figur betonende Kleid in rosé, einen oliv farbigen Blazer und die passenden zweifarbigen Pumps entschieden. Mit diesem Outfit zog sie sämtliche Blicke auf sich.

Sie lief über den Platz zum Café. Im Halbschatten erspähte sie noch einen kleinen Tisch, den sie direkt ansteuerte. Erschöpft setzte sie sich. Im selben Moment hörte sie eine Stimme sagen: „Oh, jetzt sind sie mir zuvor gekommen.“ Sabrina sah verwirrt hoch und erblickte einen sehr attraktiven älteren Herrn. Verlegen lächelte sie. „Es gibt ja zwei Stühle. Wenn sie möchten, setzen sie sich gerne dazu.“ „Das ist sehr nett von Ihnen. Vielen Dank.“ Er stellte sich mit Bruno vor und setzte sich. Sabrina nickte und nannte im Gegenzug ihren Namen.

Es war ein angenehmer und vor allem unterhaltsamer Nachmittag. Sie hatten sich über Gott und die Welt ausgetauscht. Es war ein zartes Band geknüpft. So langsam war es für Sabrina an der Zeit nach Hause zu fahren. Sie wollte mit dem nächsten Zug los. Bruno jedoch wollte den Abschied noch etwas hinaus zögern. Diese Frau faszinierte ihn. „Wohin musst du denn? Ich würde dich gerne fahren“, bot er an. „Na ja. Es ist schon eine Stunde Autofahrt. Willst du dir das wirklich antun?“ fragte sie. „Wir könnten uns dabei unterhalten und noch besser kennenlernen. Ich fahre gerne Auto“, antwortete er ihr. Sie willigte ein, er bezahlte und gab der Bedienung ein großzügiges Trinkgeld. Bruno brachte Sabrina nach Hause und küsste sie zum Abschied. Er wollte sie wiedersehen und deshalb nichts überstürzen. Sie hatte diesen hungrigen Blick, der ihm Aufregendes versprach. Das wollte er kennenlernen. Von seinem übrigen Beuteschema unterschied sie sich sehr stark, da sie bereits Ende Vierzig war, eine kurvigere Figur und Lebenserfahrung hatte.

Es entwickelte sich tatsächlich eine Liebesbeziehung. Bruno war stolz auf sich, sein Kennerblick hatte ihn nicht enttäuscht. Inzwischen war seit ihrem Kennenlernen ein Jahr vergangen. Sabrina hatte von ihrer Krankheit erzählt, deshalb ging es nur langsam, aber stetig voran. Mit Sabrina erlebte er die Liebe neu. Sie war hungrig auf Sex und so liebten sie sich durch das ganze Repertoire und Neues wurde ausprobiert. Mit dieser Frau brauchte er diese jungen Dinger nicht mehr, seine Frau auch nicht. Scheidung wollte er nicht. Das würde zu teuer werden. Seine Ehe war schon lange kaputt, seine Frau forderte nur und wollte ihn am Boden sehen. Den Gefallen wollte er ihr nicht tun. Er brauchte eine Lösung.

Sabrina war gerade dabei in ihrer Wohnung Ordnung zu machen. Es war Zeit sich von Altem zu trennen. Bei den vielen Medikamenten in Bad hatte sie angefangen. Diese brauchte sie endlich nicht mehr. Bis auf wenige Einschränkungen war sie wieder ganz „die Alte“, voll sprühender Lebenslust. Sie hielt gerade die Schachtel Tabletten in Händen, die ihr Arzt am Kennenlerntag mit Bruno verschrieben hatte. „Das war ein Tag damals“, dachte sie und lächelte vor sich hin. In dem Moment betrat Bruno das Haus über die Terrasse. Mit einem langen Kuss begrüßte er sie, sah dann die Schachtel in ihrer Hand und fragte besorgt: „Was ist mit diesen Tabletten? Geht es dir schlecht?“ Sie schüttelte den Kopf und lächelnd sagte sie: „Glücklicherweise nicht. Ich räume gerade aus und werde die ganzen Medikamente bei der Apotheke zum Entsorgen abgeben.“ Erleichtert atmete er auf. „Komm, lass uns auf der Terrasse einen Kaffee trinken“, sagte sie und ging in die Küche. Bruno nahm sich einen Blisterstreifen aus der Packung und schob diesen in sein Jackett während er sich nachdenklich in die Sonne setzte. Heute Abend wollte er in die Stadt fahren.

©UMW

Zweifel

erschweren das Leben,

vermindern die Lebensfreude,

erhöhen den Frust.

Dennoch kommen sie

immer wieder,

packen mich und

drücken mich nieder.

Auf einmal sind wüste Gedanken in meinem Kopf:

Schaff’ ich das?

Will ich das?

Kann ich das?

Bin ich das?

Ich schüttele mich,

werfe sie ab.

Hartnäckig kommen sie wieder

und quälen mich.

Ich gebe auf und

falle

falle

falle

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In der Tiefe…

Wieder einmal stand sie an dieser Schwelle. Sollte sie es dieses Mal wagen? Die Stufen gingen steil nach unten. Und es sah gespenstisch dunkel aus. Das bisschen Licht, was da flackerte, ließ nur Schemen erahnen.

Chili trug lediglich ein weißes langes Hemd. Kurz überlegte sie, ob sie eine Strickjacke mitnehmen solle, aber die Luft die ihr entgegen blies war angenehm lau. Während sie noch überlegte, ob sie diese Schwelle übertreten solle, wurde der Sog nach unten zu gehen sehr stark. Schon fast penetrant. Diese Überlegung war ihr nun abgenommen worden. Sie setzte einen Schritt vor den anderen. Folgte den Stufen nach unten. Hohe Stufen. Es kostete sie Kraft, das Gleichgewicht zu halten. Sie zählte die Stufen beim Abstieg mit. Nach der dreißigsten Stufe kam ein kleiner Absatz, auf dem sie kurz verweilte. Sie atmete tief durch. Der Abstieg war anstrengend. Die Luft war frisch und klar, obwohl es in die Tiefe ging. Ihr war etwas warm geworden. Sie strich ihre langen Locken aus dem Gesicht und leckte die Schweißperlen von der Oberlippe. Vielleicht hätte sie Wasser mitnehmen sollen.

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Von dem Plateau gingen zwei Eingänge weg, die jedoch sofort wieder endeten. Die Stufen, die sie jetzt zu gehen hatte, waren etwas weniger hoch, aber es wurde steiler. Chili tastete die Seitenwände ab und fand ein Stahlseil, an dem sie sich festhalten konnte. Die Wände fühlten sich wie Fels an und waren feucht. Wo war sie hier eigentlich? Was wollte sie hier? Oder besser: Was sollte sie hier?

Der Boden unter ihren Füßen war glatt, aber griffig. Sie tastete sich barfuss vorwärts. Mit jedem Schritt in die Tiefe überkam sie immer mehr Ruhe. Die Stille hatte etwas Heimeliges. Weit entfernt konnte sie eine Melodie spielen hören.

Plötzlich hörten die Stufen auf und Chili stand auf einem Felsplateau. Das Plateau war ein Überhang, der gut 200 Meter lang und 50 Meter breit war. Vorsichtig trat Chili nach Vorne und blickte nach unten. Ein Stück ging es noch nach unten, das Ende jedoch war nur schwer zu erahnen. Ein glitzern konnte sie sehen. Ein Licht?

Die Ruhe hüllte sie ein, wie in eine wattige Umarmung. Es war still, bis auf diese leise Melodie in der Ferne. Die Entfernung schien sich nicht verändert zu haben, da es weder lauter noch leiser geworden war. Merkwürdig.

Die junge Frau sah sich um und suchte nach den Stufen, die sie weiter nach unten führen sollten. Es gab keine. Erschöpft setzte sie sich an den Fels, lehnte sich an und schloss die Augen.

Durch die Anstrengung war sie gut erhitzt und durch ihr dünnes Hemd fühlte sie die Kühle des Felsens. Anfangs fühlte es sich gut an, dann wurde es fast eisig. Erschrocken riss sie die Augen auf. Alles war dunkel. Der Schein, der sie die ganze Zeit begleitet hatte war verschwunden. Sie fror. Ihr war eiskalt und sie war unbeweglich. Was war los? Ein höhnisches Gelächter war um sie herum. „Du bist jetzt mein!“ sagte diese Stimme, die von überall her zu kommen schien. Ihr Blut schien gefroren zu sein und ihr Herz schlug einen sehr langsamen Rhythmus. Fast schon tot.

Ganz leise wisperte eine andere Stimme in ihr: „Höre auf die Melodie. Das ist dein Leben“. Diese Melodie, der Gedanke an die Melodie war so schwammig. So schwer zu erinnern. „Du musst!“ wisperte die Stimme. „Du musst!“ Mit Gewalt klammerte sich Chili an diese so ferne Erinnerung, an diese Melodie. Langsam war die Melodie wieder fühlbar. Es war ein feines Band. Durch ihren Willen wurde es stärker und die Melodie besser hörbar. Sie konnte ihren Herzschlag wieder wahrnehmen. Noch abgehackt, aber es wurde stabiler und vor allem wärmer. So langsam konnte sie sich wieder bewegen.

Als sie die Augen aufschlug war die Umgebung eine andere. Sie war unten angekommen. An einem See. Es glitzerte. Das war wohl das Licht gewesen, welches sie vom Plateau aus gesehen hatte.

Chili stand unter Schmerzen auf. Sie sah an sich herunter. Das Kleid hing in Fetzen herab und ihre Haut hatte grobe Abschürfungen. Welchen Kampf hatte sie da ausgefochten?

Ihr Lebenswille hatte gesiegt. Zum Sterben war es noch zu früh.

Die Frau zog das, was vom Kleid übrig war aus und ging auf das Wasser zu. Das Wasser war angenehm warm. Sie begrüßte diesen sanften Schmerz, der durch das Wasser ihre Wunden reinigte. Dann überlies sie sich dem See. Auf dem Rücken liegend wurde sie von der Strömung aufgenommen und trieb auf das Licht zu. Sanft wurde sie vom Mondlicht begrüßt. Es war Vollmond.

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Das kleine und das große Glück

Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das große vergebens warten.“ (Pearl S. Buck)

 

Das kleine Glück zeigt sich mir

in einem herzlichen Lachen

und beim dumme Sachen machen.

Beim Klang einer fröhlichen Melodie,

einer kleinen Sinfonie.

Das Gefühl auf einem Berg zu stehen,

oder über eine grüne Wiese gehen.

Küssend in deine Augen blicken

während Vögel Brotkrumen vom Boden picken.

Mit Freunden um die Häuser ziehen

dabei dem Alltag schnell entfliehen.

Viele von den Kleinigkeiten sind oft viel mehr

als das große Glück, das nur ganz selten an die Türen klopft.

©UMW