Der Sugarboy

imag0989-1

Da saßen sie die Damen und Herren. Leicht bekleidet und nackend unter dem Bademantel an einem Tisch im Lokal.

Jeder Einzelne gab eine Bestellung auf und wurde vorzüglich verköstigt. Zum Abschluss gönnten sich die Blonden noch einen Espresso. Dieser wurde geliefert mit einem Sugarboy.

Lächelnd strichen die Frauen über seinen blauen Anzug.

Pit fragte dann, ob sie den Boy mit nach Hause nehmen wollen. Rike antwortet, fast schon entrüstet: „Nee, den hab ich doch jetzt schon aufgerissen. Den nehme ich nicht mehr mit.“

Als sie gingen, ließen sie den Boy mit den letzten Zuckerbröseln zurück. Angelehnt an ein leeres Wasserglas.

©by UMW

Der Weg

Es war eiskalt. Die Bäume hingen voll Schnee, nachdem das pudrige Weiß die ganze Nacht herunter gekommen war. Die Luft war klar und sorgte für dampfende Atemwölkchen. Annabell lief, eingehüllt in ihren warmen Wintermantel, in den Wald. In ihrem Wollkleid verfing sich Schnee, der sich als Eisklumpen am Saum festhielt. Begleitet wurde sie von ihrem Falken, der seinen Platz auf dem Handschuh am linken Arm hatte. Hin und wieder ließ er einen Schrei hören. Warum hatte sie ihn überhaupt mitgenommen?

Zornig lief die Frau dahin. Sie hatte es satt, nicht für ernst genommen zu werden – nur weil sie eine Frau war. Dabei konnte sie lesen, rechnen, Reiten, mit der Armbrust schießen und ihren Falken bändigen.  Da konnte ihr nicht einmal ihr älterer Bruder das Wasser reichen. Als Frau war sie zu stark. Ihre Mutter sorgte sich, dass es keinen passenden Ehemann für sie geben könnte. Nun war sie ja doch schon Anfang zwanzig. Eine alte Jungfer in den Augen der Familie. Viel zu klug für die meisten. Wer wollte sich schon gerne etwas von einer Frau sagen lassen? Hinzu kam, dass sie viel zu direkt ihre Äußerungen anbrachte. Von Diplomatie hatte sie nur wenig Ahnung. Ihre Mutter bat sie um mehr Demut. Annabell sah es nicht ein ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Sie war gut, das wusste sie. Sie wollte einen Mann an der Seite, der sie so akzeptierte wie sie eben war. Nicht nur schön sondern eben auch klug. Viel lieber blieb sie unverheiratet als an der Seite eines Mannes, der sie weder akzeptierte noch verstand und am Ende selbst ihrem Intellekt nicht gewachsen war.

Tief in Gedanken lief Annabell dahin bis ihr ein Berg den weiteren Weg versperrte. Sie sah überrascht auf. Wo war sie denn nun gelandet? Der Berg war ihr noch nie aufgefallen. Es kam ihr alles fremd vor. Sie sah den Lauf der Sonne an und stellte fest, dass sie bereits einen halber Tag unterwegs war.  Wo sollte sie weiterlaufen? Oder war es besser wieder zurück zu gehen? Ihre Missstimmung war inzwischen verflogen. Ihre Wangen brannten und ihr war ziemlich warm. Sie sah sich interessiert um. Da entdeckte sie einen Höhleneingang. Vorsichtig spähte sie hinein. Es roch modrig nach Flechten und Moos. In der Ferne konnte sie Licht sehen. Das hieß, dass sie hier durchgehen konnte. Vorsichtig tappte sie durch das Gestein und erreichte den Ausgang auf der anderen Seite. Als sie aus der Höhle hinaus trat wurde sie von Sonne empfangen. Überrascht sah sich um. Kein Schnee und wunderschön warm. Annabell zog ihren Mantel aus und setzte sich auf die Lichtung. Erst einmal band sie ihren Falken los und lies ihn fliegen. Selbst streckte sie ihr Gesicht der wärmenden Sonne entgegen und hing ihren Gedanken nach.

Da, es raschelte neben ihr. Ihr Blick wanderte zu dem Gebüsch als gerade ein junger Mann mit einem Wolfshund heraus trat. Sie erschrak leicht ob der Größe des Hundes. Doch dieser kam schnuppernd auf sie zu, wedelte mit dem Schwanz und leckte ihre Hände. Glockenhell erklang ihr Lachen. Erfreut über die anmutige Frau setzte sich der Jüngling zu ihr. Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie fast Nachbarn waren. Er war vor kurzem mit seinem Clan in das Anwesen neben dem ihrer Familie gezogen. Bei seiner Erkundigungen der näheren Umgebung sei er heute hier gelandet.

Friedrich war begeistert von der jungen Frau, die viel zu erzählen wusste. Ohne Scheu erzählte sie von den Menschen, die bei ihnen wohnten und ihre Tätigkeiten. Erfreut hörte er ihren Jagdgeschichten zu war erstaunt über die selbst erlegten Trophäen der Frau. Die Vielseitigkeit und das Wissen gefielen ihm. Die Mädchen, die er bisher kennen gelernt hatte waren häufig dumm und hatten nur neue Kleider im Kopf. Aber hier…

Die Beiden erfrischten sich am nahen Bach und beschlossen den Rückweg gemeinsam zu gehen. Sie verabschiedeten sich gemeinsam von dem Fleckchen Paradies und gingen durch den Fels wieder in ihre verschneite Heimat. Friedrich lieferte Annabell unversehrt bei ihren Eltern ab, stellte sich diesen noch vor und bat um ein Wiedersehen in den nächsten Tagen.

Annabells Eltern waren von dem jungen Mann sehr angetan und luden ihn mit seinen Eltern  für das kommende Wochenende ein. Es wurde ein unterhaltsamer Tag, bei dem schnell die Sympathien für Vertrauen sorgten.

Annabell war begeistert in Friedrich einen Mann gefunden zu haben, dem es gefiel sich mit einer attraktiven und vor allem klugen Frau zu schmücken. Friedrich gefiel ihre Herz erfrischende direkte Art und hielt – zur Freude beider Eltern – bald um die Hand der selbstbewussten Frau an.

So wurden die beiden ein Paar und lebten glücklich und zufrieden bis… Blablabla! Natürlich krachte es auch hier immer wieder! Es ist nie einfach mit einer selbstbewussten Frau. Durch gegenseitige Akzeptanz und Respekt gegenüber dem anderen haben sie es dennoch geschafft. Mit klärender Kommunikation konnten Missverständnisse direkt im Keim erstickt werden.

©UMW

Mann / Frau – Umbruchszeiten

Durch die Emanzipation in der vorangegangen Generation haben heute viele Menschen zu kämpfen. In meinen Augen fängt es ja schon einmal damit an, dass sich Mensch erst einmal identifizieren darf – frei nach dem Motto: Wer bin ich? Was will ich?

Häufig wird vergessen, dass eine Emanzipation die Gleichstellung der Frau bedeutet. Gleichstellung heißt für mich „Auf Augenhöhe“ und gleich behandelt zu sein. Jeder will es, nur wenige können es. Ja, das ist leider so!

Ein Mann möchte als Mann gesehen werden. Ich glaube das ist in der heutigen Zeit gar nicht so einfach und wird gerne vergessen. Die Männer haben sich ja ebenfalls emanzipiert, emanzipieren müssen. Zumindest ein Teil, weil es ihnen so „eingebleut“ wurde. Was habe ich hier schon beobachtet und mich gefragt, wo dabei der Sinn ist. Gleichberechtigung hin oder her… Frauen bekommen Kinder und bleiben in den meisten Fällen zu Hause (Dann greift hier eben die altbackene und klassische Aufgabenteilung). Völlig in Ordnung ist auch, wenn Frau und Mann sich diese Zeit teilen. Was ich aber nicht verstehe, ist, dass Frauen zu Hause bleiben und den arbeitenden Partner in der Nacht das Kind versorgen lassen. Auf die Idee wäre ich niemals gekommen. Ein Mensch, der arbeitet braucht seine Ruhephase um auch leistungsfähig zu sein. Viele Männer lassen sich hier aber einspannen, kotzen sich dann aber bei Freunden aus anstatt mit ihrer Partnerin Tacheles zu reden.

Dagegen finde ich es völlig normal, wenn beide arbeitenden Partner sich die Aufgaben im Haushalt teilen. Jeder hat hier Dinge, die er gern oder weniger gern tut. Solange es da einigermaßen gerecht zugeht ist es gut. 100 % erreichen wir nirgends.

Viele Frauen sehen sich im Wettstreit mit dem anderen Geschlecht und möchten besser sein. Das kann natürlich nur zu Reibungen führen. Ganz ehrlich: Im Geschäftsleben habe ich kein Problem damit. ABER: Es ist dennoch wichtig, dass Frau ihre ureigenen Stärken einsetzt und nicht das, was sie sich in vielen Weiterbildungen antrainiert hat, weil es ihr so beigebracht wurde.  Harte Fakten dürfen wir gerne im Backround haben und unterbewusst damit agieren. Bewusstes einsetzen von hinhören, nachfragen, Anteilnahme etc. bringt uns in den meisten Fällen doch viel weiter. Das sind zum Fachwissen unsere Stärken.

Ich als Frau möchte auch Frau sein dürfen. Und das gerade im privaten Umfeld. Für mich gehört es noch dazu, dass Mann mich umwirbt und sein Interesse zeigt. Für Spielereien und Täuschungen habe ich da gar nichts übrig. Dazu bin ich zu klar, zu direkt. Natürlich zeige auch ich mein Interesse, ganz unverblümt. Auch das hat für mich etwas mit Emanzipation zu tun. Es bleibt nur die Frage: Wie viele Männer können damit tatsächlich umgehen?

©UMW

 

Hochstapler und andere Gespenster

geister
aus dem Web…

Sie war deine vierte Frau und sie ist die Einzige, die gegen dich gewinnen wird. Denn sie hat mehr Eier in der Hose als du je besitzen wirst. Du hast sie als schlanke, sehr hübsche und vor allem fleißige Frau kennen gelernt, die ihr Leben im Griff hatte. Das gefiel dir, denn sie konnte gut für sich selbst sorgen. Du hast ihr so einiges vorgelogen. Die Wahrheit kam spät ans Licht, aber sie kam ans Licht. Kein Lügner bleibt verschont!

Betrogen hast du sie bereits in euerer Ehe und zum Abschluss das Haus mit deiner neuen Frau ausgeräumt. Deine Schulden hast du ihr hinterlassen und meinst über Umwege an ihr Geld heranzukommen. Macht man so etwas ungestraft? Niemals!!! Auch du wirst zum Schafott geführt werden. Wenn nicht durch SIE, dann durch etwas oder jemand anderen. Selbst dein Kind hat sich von dir abgewendet. Das sollte dir zu denken geben. Was für ein Mensch bist du nur??

Du kommst dahin, wo du hin gehörst! Und da kannst du dich so viel wehren, wie du möchtest. Niemals wirst du dies verhindern können. Die Hölle wartet – auf DICH!!!

©UMW

STELLENGESUCH

Das habe ich gerade eben auf mein Stellengesuch erhalten und möchte es euch nicht vorenthalten 🙂

Hallo liebe Inserentin / Management-Assistentin,

mit großem Interesse habe ich Ihre interessante – reizende Annonce in der SZ gelesen.

Sie hat mich sehr sehr …neugierig auf Sie gemacht und den Wunsch in mir geweckt, Sie persönlich kennenzulernen.

Darf ich Sie dazu mal ganz unverbindlich auf 1 Gläschen Wein oder 1 Käffchen einladen ?

Ich bin nämlich ebenso auf der Suche und hätte eine interessante Tätigkeit für Sie anzubieten

Kurz zu meiner Person:

Ich bin ein charmanter, warmherziger, witziger und niveauvoller Projektleiter / Dipl.-Ing., 50 Jahre, 182 cm, NR, geschieden, 2 Kinder, beruflich sehr erfolgreich, spontan, sportlich, einfühlsam, weltoffen, unternehmungslustig, lebenslustig, reisefreudig und vielseitig interessiert….

Über Ihre Nachricht / Email-Post würde ich mich riesig freuen. Smiley

Liebe Grüße

A****

Die Nacht, die alles veränderte

Es war Mittwoch, der 20.09.2006 als es bei mir an der Haustüre klingelte und das zur fortgeschrittenen Stunde. Ich war allein zu Hause. Meine Kinder bei ihrem Vater. Über die Sprechanlage fragte ich nach. Es war mein damaliger Ex-Partner und er kam gerade vom Oktoberfest. Betrunken war er nicht, vielleicht ein wenig angeheitert. Er wollte unbedingt mit mir reden. In mir war ein komisches Gefühl, aber ich habe es nicht beachtet.

Ich kannte ihn und hatte ihn ja auch einmal geliebt. Also ließ ich ihn entgegen aller Warnglocken in meine Wohnung. Er saß mir, eine Tischlänge entfernt, gegenüber. Für mich war die Beziehung beendet. Bestimmt schon fünf Wochen. Was wollte er denn noch? Erst wollte er, dass wir die Beziehung wieder aufnehmen. Als ich ihm klar machte, dass das nicht in meinem Sinne sei, wurde er böse und beschuldigte mich, weil er Probleme beim Sex mit anderen Frauen hatte. Nein, mir war nicht zum Lachen! Nach mehrmaliger Aufforderung ist er dann doch gegangen. Prima! Gut gegangen. Dieses „dumme“ Gefühl also unbegründet.

Nach einer Weile klingelte es wieder. Er forderte mich auf, ihm ein Taxi zu rufen. Das konnte ich ja tun. So versuchte ich ein Taxi zu rufen. Sämtliche Leitungen waren ununterbrochen belegt. Schlechte Zeit. 23 Uhr und sämtliche Taxen unterwegs. Er klingelt wieder und ich teile ihm das mit. Er schimpft vor sich hin. Der Gut-Mensch, der ich nun mal bin… Ja, ich habe ihm angeboten ihn nach Hause zu fahren. Und wieder die Warnglocken missachtet.

Bei ihm angekommen, sollte ich mit reinkommen und meinen Scheiß mitnehmen. Ich konnte mich nicht erinnern, was das sein sollte. Also bin ich mit gegangen. Nochmals die Warnglocken überhört. Ich habe an das Gute im Menschen geglaubt. Selbst da noch!

Ich blieb in seinem Zimmer wartend stehen, während er ins Bad ging. Dann kam er wieder und hielt zwei Dosen Haarpflegemittel (!) in der Hand. Die hätte er auch im Müll entsorgen können.

Den Gedanken hatte ich noch nicht wirklich zu Ende gedacht, da flog ich durch das halbe Zimmer auf sein Bett. Genau deshalb hatten die Alarmglocken geschrillt. Und ich dummes Weib hatte es nicht hören wollen. Das war die Strafe. Für meine Dummheit!

Mit seinen etwas mehr als 1,90 m und gut 100 kg saß er auf mir, so dass ich keine Möglichkeit mehr hatte mich zu bewegen. Schimpftiraden gingen auf mich los. Blöde Kuh! war dabei das harmloseste. Schlimmer, viel schlimmer waren seine Rufe: „Ich bring dich um! Ich bring dich um!“ Er schlug auf mich ein, so dass der Kopf einmal nach links und einmal nach rechts flog. Klatsch links, klatsch rechts! Ununterbrochen. Schon komisch, dass sich der Kopf dabei gar nicht gelöst hatte. Ich schrie und schrie und schrie. Heulte… In der Wohnung darüber wurde die Musik immer lauter gedreht. Feige Nachbarschaft!

Das Schreien hat ihn irgendwann gestört, also drückte er die Luft ab. Mir wurde schwarz. Ich musste aber dableiben. Meine Kinder brauchten mich noch. Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen war, bis er endlich von mir abließ. Mich gab es da nicht mehr. Ich war zerbrochen. In tausende von Einzelteilen.

Er war da und sein Tun hat ihm nicht gereicht. Er wollte noch meinen Körper und nahm ihn sich. Inzwischen war ich nur noch eine Puppe. Willenlos! Nachdem er sich abreagiert und sich befriedigt hatte war er ruhig. Er ging ins Bad. Ich zog mich an und ging. Er ließ mich gehen. Zerschlagen und erschöpft schleppte ich mich zum Auto. Ich stand unter Schock. Wie ich nach Hause gefahren bin wissen nur die Götter! Das Auto blieb unbeschädigt und kam heil in die Garage.

Am nächsten Tag schaute mich ein mir unbekanntes Gesicht aus dem Spiegel entgegen. Das Gesicht war um die Hälfte aufgeschwollen, ein Brillenhämatom erblühte am rechten Auge. Der Hals wies starke Würgemale auf.

Die Frau im Spiegel verwandte fast eine Flasche Make Up zum Abdecken und viel Puder bis die Male unsichtbar waren. Für den Moment! Ein Seidentuch verdeckte die Blutergüsse am Hals.

So bemalt und fremd ging ich zum Kurs, den ich gerade besuchte. Im Seminarraum sah mich eine Ärztin aus Berlin an, eine hellsichtige Afrikanerin. „Wer hat dir das angetan? Wer hat dir dein Herz gebrochen?“ fragte sie mich erschrocken.

In diesem Seminar beschäftigten wir uns mit unseren medialen Fähigkeiten, deshalb fühlte ich mich wohl, in einem geschützten Rahmen.

Der Seminarleiter fragte mich, ob ich denn bei der Polizei gewesen sei. Darüber hatte ich mir bis dahin keine Gedanken gemacht. Ich schämte mich und wollte das nicht „breit treten“. Der Seminarleiter bot mir an, mich zu begleiten. Ich wies ihn ab und sagte, ich würde mit einer Freundin gehen. Er nahm mir hier das Versprechen ab.

Nach dem Seminartag rief ich eine Freundin an, die mich zur Polizei begleitete. Es kümmerten sich zwei Polizisten um mich. Die Ausfragerei empfand ich beschämend. Die Vergewaltigung verschwieg ich. Es war als wenn das ganze Präsidium zuhörte. Es war eine Zumutung. Auch andere Kläger saßen mit im Raum, wenn auch an einem anderen Tisch. Mir war, als wenn ich direkt vor laufender Kamera säße…

Der Täter meldete sich auch noch einmal bei mir. Ihm ging es nur darum, dass ich ihm seine „weiße Weste“ nicht mit meiner Anschuldigung beschmutzen solle.

Nach einem Viertel Jahr nötigte mich ein Freund mir einen Anwalt zu nehmen und die Vergewaltigung mit anzuzeigen. Ich tat es. Für eine solche Sache sollte Frau sich eine Anwältin nehmen, keinen Anwalt. Wie oft ich die Sache erzählen musste ließ schon den Schluss zu, dass er sich daran nur aufgeilte. Irgendwann im Frühjahr 2007 hatte ich einen Termin bei einer Staatsanwältin wegen der Erweiterung der Anklage. Diese zerpflückte mich noch einmal. Die Aussage wurde auf Band aufgenommen. Dann war ich erst einmal fertig. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Mein Leben hatte sich verändert. Ich hatte Angst vor die Tür zu gehen, blieb nur noch zu Hause und war nur noch ein Schatten meiner selbst. Ich, der Scherbenhaufen, fügte wieder Stück für Stück aneinander. Nichts passte wirklich zusammen. Aber das war ja egal. Ich lebte. Irgendwie. Ich war ganz. Nach außen hin. Und ich hatte mich in der Gewalt. Mit verschiedenen Heiltechniken habe ich diesen Vorfall bearbeitet. Man kann nur die Spitze des Eisberges kappen, wurde mir gesagt. Komplett ist es nicht aufzulösen. So ist es. Man muss damit leben. Meistens geht es sehr gut. Ich habe lange nicht mehr daran gedacht. Aber jetzt jährt es sich zum zehnten Mal. Da hat es mich wieder einmal voll erwischt.

Der Täter hat für versuchten Totschlag 2,5 Jahre Haft auf Bewährung erhalten. Dazu 5000 € Schmerzensgeld und 150 Sozialstunden. Ich frage mich immer wieder, ist denn ein Menschenleben nur so wenig Wert? 2,5 Jahre auf Bewährung!

Vom Schmerzensgeld hatte ich nichts. Das ging für die Anwaltskosten drauf.

Andere Frauen wären daran tatsächlich zerbrochen. Ich wurde hart. Sehr hart. Aber ich hatte Menschen an meiner Seite, die mir sehr geholfen haben. Ich hatte meine Kinder, die mir allein durch ihr DA-Sein geholfen haben am Leben zu bleiben.

Ja, ich lebe. Und nach zehn Jahren kann ich sagen, die Scherben sind nicht mehr so kantig und von den Jahren wieder glatt geschliffen. Ich habe meine Lebensfreude wieder und bin ein überwiegend fröhlicher, aber auch sehr nachdenklicher Mensch.

Und das schöne ist, ich kann so langsam wieder jemand vertrauen und Liebe zulassen. Dafür bin ich ganz besonders dankbar.

©UMW

Die höchste Berufung

Die höchste Berufung einer Frau ist es, den Mann zu seiner Seele zu führen, damit er sich mit seiner Quelle verbinden kann.

Die höchste Berufung des Mannes ist es, die Frau zu beschützen, damit sie frei und unverletzt auf der Erde wandeln kann

(Sprichwort der Cherokees)