Webnomaden

Jeder der ortsunabhängig arbeitet gilt als Webnomade. Webnomaden gibt es inzwischen jede Menge. Viele moderne und reiselustigen Menschen möchte keinen starren Arbeitsablauf oder in der 9to6-Fraktion tätig sein. Deshalb entscheiden sich diese Menschen für die Selbständigkeit oder Freiberuflichkeit. Wer keinen festen Wohnsitz in Deutschland hat, kann sich auch nicht selbständig melden. Wer es dennoch tut und den Gewerbesitz bei einem Familienmitglied oder Freund meldet, muss mit horrenden Strafen rechnen. Zum einen zahlt derjenige, der seine Adresse zur Verfügung stellt und auch derjenige, der sein Gewerbe dort gemeldet hat.

Nachdem auch ich mich aus Deutschland komplett abmelden werde, habe ich mich diesbezüglich schlau gemacht. Glaubt mir, es ist ganz schön schwierig hier eine zufriedenstellende Antwort zu erhalten.

Das Gewerbeamt stellt sich stur und bietet hierzu keine Lösung. Sie sind schlichtweg nicht im Stande und richten sich nur strikt nach den Gesetzen. Eine Lockerung hier wäre sicherlich für die Zukunft wünschenswert.

Mit dem Finanzamt habe ich diesbezüglich eine Möglichkeit gefunden. Meine Sachbearbeiterin hat mein Anliegen verstanden und war insofern sehr hilfsbereit. Meine Selbständigkeit werde ich wieder abmelden und bin auf meiner Weltreise als Freiberufler im Sinne nach §18 Einkommensteuergesetz tätig.

Das funktioniert nur nicht für jeden, denn dieser Paragraph sagt (auszugsweise) folgendes aus:

(1) Einkünfte aus selbständiger Arbeit sind

Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit. 2Zu der freiberuflichen Tätigkeit gehören die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, die selbständige Berufstätigkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer, Steuerbevollmächtigten, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnlicher Berufe. 3Ein Angehöriger eines freien Berufs im Sinne der Sätze 1 und 2 ist auch dann freiberuflich tätig, wenn er sich der Mithilfe fachlich vorgebildeter Arbeitskräfte bedient; Voraussetzung ist, dass er auf Grund eigener Fachkenntnisse leitend und eigenverantwortlich tätig wird. 4Eine Vertretung im Fall vorübergehender Verhinderung steht der Annahme einer leitenden und eigenverantwortlichen Tätigkeit nicht entgegen;

Insofern ist es wichtig, seine Tätigkeit mit dem vernünftigen Vokabular zu benennen 😉

Wie auch immer die Tätigkeit ausgeführt wird, dem Finanzamt ist es wichtig, dass die Einkünfte über die Einkommensteuer gemeldet werden.

Meine obige Zusammenstellung beruht auf meinen Gesprächen und eigenen aktuellen Erfahrungen. Wer hierzu noch weitere Infos hat, darf diese gerne im Kommentarfeld hinterlassen.

©by UMW

Unvollständig

Es war an der Zeit, dass Charlie wieder einmal aufbrach, um seinen Geschäften nach zu gehen. Leicht fiel es ihm diesmal nicht. Seine Geliebte konnte er nicht mitnehmen, da er in geheimer Mission unterwegs war. Sie brachte ihn zum Bahnhof. Beide vermieden Abschiede, das hatte immer einen so komischen Beigeschmack. Am Eingang zu den Zügen küssten und verabschiedeten sie sich mit einer innigen Umarmung.

Mit seinem Gepäck im Schlepp suchte er das richtige Gleis und den Schnellzug nach Schweden. Er fuhr mit dem Nachtzug, so konnte er ein wenig schlafen. Zumindest wollte er es versuchen. Ein Schaffner half ihm sein Gepäck in das gebuchte Abteil zu verladen. Glücklicherweise war er der zweite Reisende von vier und konnte deshalb ein Oberbett belegen. Ordentlich stellte er seine Schuhe an den vorgegebenen Platz und kletterte auf sein Bett. Gelangweilt streckte er sich aus und sah zur nahen Decke über sich. Gedankenverloren beobachtete er eine Fliege, die um das Licht summte. Der andere Reisende, ein untersetzter Mann mit dunklen Haaren sah ihn an und bot ihm etwas zu trinken an. Wodka! „Komm Brüderchen“, lass uns anstoßen, sagte dieser. Charlie dankte für den Alkohol, lehnte jedoch für den Moment ab, da er erst noch etwas essen wollte.

In diesem Augenblick wurde die Abteiltüre aufgestoßen und zwei weitere Männer traten laut redend ein – die letzten beiden Reisenden für dieses Schlafabteil. Beide ließen sich auf die unteren Betten fallen. Charlie schwang beide Beine über seinen Schlafplatz und sprang nach unten, grüßte die Neuankömmlinge kurz, nickte dem Wodkaspender freundlich zu und ging dann los um den Restaurantwagen zu suchen. Dort setzte er sich an einen kleinen Tisch und nahm eben noch den Sonnenuntergang wahr. Glutrot versank die Sonne in einem See und zauberte ein orangefarbiges Licht auf dem Gewässer. Schade, dass er keinen Fotoapparat dabei hatte, das wäre sicher ein zauberhaftes Bild geworden. Beim Restaurantchef bestellte er ein Steak in Medium mit Rosmarin-Kartoffel, dazu ein kühles Bier. Er dankte dem Mann und bezahlte direkt. Nach dem Essen fühlte er sich angenehm satt.

So ging er langsam und nun gut gelaunt in sein Abteil zurück. Mit Schwung betrat er den Raum, in dem die anderen Männer sich schon zotige Witze erzählten, laut lachten und dem Wodka des untersetzten Menschen bereits ordentlich zugesprochen hatten. Ihm wurde direkt ein Wodka angeboten, den er als Verdauungsschnaps sehr gerne annahm. Mit einem Prost in Richtung der anderen stürzte er den Inhalt seines Glases hinunter. Nach drei Gläsern für ihn war die Flasche bereits leer. Die Männer löschten das Licht und legten sich in ihre Schlafkojen.

Charlie hing erst einmal seinen Gedanken nach. Wie immer blieben sie bei Lotti hängen. Was sie wohl machte? Ihm war als fehlte ein Teil von ihm, ein bisschen von seiner Seele. Er wünschte… Nun gut, es war das letzte Mal, dass er in dieser Mission unterwegs war. Danach stand der Zukunft mit seiner Geliebten nichts mehr im Wege.

©UMW