Meine Freunde – meine Freude

Mir geht es heute um meine ganz speziellen Freunde, die mir täglich begegnen. Morgens und abends. Ich sehe bereits eure Fragezeichen.

Ampeln. Ampeln sind meine speziellen Freunde. Die auf meinem Weg zur Arbeit liegen, und natürlich auch retour, die habe ich ganz liebgewonnen. Ich kenne sie inzwischen so gut, dass ich mit angepasstem Tempo meist bei grün darüberfahre. Manchmal hat dieses grün eine gelbliche Einfärbung. Morgens ist das weniger tragisch, zumal mit einem runden Kopf alle Richtungen gut abgecheckt werden können. Das geht und kann mir jeder Radfahrer sicher bestätigen.

Wie dem auch sei. Meine Ampeln kenne ich wirklich gut. Wenn es gerade tief rot wird, wenn ich darauf zu steuere, dann habe ich den Verdacht, dass in der Ampel ein Männchen sitzt. Dieser sieht mich aus der Ferne, lacht sich ins Fäustchen und schaltet auf Rot. Das strampelnde Menschlein ein wenig ärgern scheint er sich vorgenommen zu haben.

Bei unserer heutigen Technik wäre es auch nicht verwunderlich, wenn klitzekleine Kameras in den Ampeln eingebaut wären. Die Menschen in der komplizierten Schaltzentrale für Ampelschaltung könnten sich so manchen Spaß mit den Verkehrsteilnehmern herausnehmen und sich einen Scherz erlauben. Wer könnte denn schon etwas nachweisen?

 Ganz ehrlich… Ich würde mir den Spaß erlauben 😀 😀 😀

©by UMW

Winterrot

Morgendlicher Sonnenaufgang

errötender Himmel über eisigklarem See

zieht frostiger Nebel aus erfrorenem Klee.

Kälte brennt Rot flammende Wangen

auf lachende Wintergesichter.

Aktiv sein, fröhlich und unbefangen

sich bewegen auf Eis und Schnee.

©UMW

Spiegelbild

„Guten Morgen, du da hinter diesem Glas. Wer bist du?“ „Ich bin DU“ erwidert das verknitterte Etwas und lächelt verschmitzt. „Bürste dir erst einmal deine Zotteln. Dann erkennst du dich vielleicht wieder.“ Tamara nahm die Haarbürste und zog sie lieblos durch das Gewirr auf ihrem Kopf. Heute waren ihre Haare wieder arg verknotet. Sie hatte recht unruhig geschlafen. Nachdem sie das braune Gestrüpp endlich geglättet hatte, fasste sie diese zusammen und band sie hoch.

Sie verteilte die Reinigungsmilch in ihrem Gesicht und ging ganz nahe an den Spiegel heran. Das Spiegellicht lies ihre Augen gelbgrün funkeln. Tamara ging noch näher an den Spiegel heran und sucht die schwarzen Punkte auf ihrer Iris. Ihr Spiegelbild lachte schallend. „Halt die Klappe“, schimpfte sie zornig während sie die Schmiere mit viel zu warmen Wasser aus dem Gesicht abwusch. Im Spiegel sah ihr ein krebsrotes Gesicht entgegen. „Was tust du dir an?“ fragte das Gegenüber. „Nichts! Ich will mir einfach weh tun. Ich muss mich spüren, dass ich da bin.“ „Du bist doch da. Du kannst dich sogar sehen“, antwortete das Spiegelbild. „Sehen ja, aber nicht fühlen. Ich bin eiskalt. Keine Emotionen in mir.“

In dem Moment trat das Gegenüber aus dem Spiegel heraus und nahm Tamara in den Arm. „Geh etwas liebevoller mit dir um!“ schimpfte das lebendig gewordene Spiegelbild. „Wenn du dich selbst so mies behandelst, wie soll dich jemand anderes dann gut behandeln?“ „Jemand anderes gibt es schon lange nicht mehr. Ich bin gerne alleine. Komme gut zurecht und brauche niemanden. Niemanden! Verstehst du?!“ „Mich kannst du nicht abschütteln. Wir gehören zusammen. Ob du willst oder nicht.“ „Geh in den Spiegel zurück und lass mich in Ruhe“, schimpfte Tamara.

Schulterzuckend verschwand das Spiegelbild wieder hinter dem Glas und sah genauso erbost aus wie Tamara selbst. Zornig feuerte Tamara die Bürste gegen den Spiegel, der sofort in tausend Einzelteile zerbrach und mit ihm das Spiegelbild. Die Frau nahm eine spitze Scherbe und drückte sie auf die dicke Vene am Handgelenk bis Blut heraustrat und schnitt tief ein. Sofort spritze Blut heraus. Viel Blut. „So schönes Rot“, sagte Tamara noch während ihr Lebenssaft im Badezimmerteppich versickerte und sie ihr Leben aushauchte.

©UMW

Fülle

Erdenbraun beugt sich

Lieblichem Grün

Erfreut mich

Eine Farbexplosion

Wonniges Sonnengelb

Sticht am blauen Firmament

Gelb-Weiß die Rotation

Zum Rot und Blau der Blumen blüh’n

Lächelnd verzaubern

Fröhliches Lippenrot

An dein Ohr sich schmiegend

Flüsternde Worte verzücken

Dein Körper reagiert auf dies Angebot

So dass Hüften sich wiegend

Im Gleichklang bewegen und die Hülle

Der Körper fällt zur Extase der Fülle

©UMW

Nikolaus

Heute laufen wieder viele herum

mit weißen Wallebärten und dickem Bauch.

Und gar komisch ist’s, sie heißen alle Nikolaus.

Mit riesigen Säcken laufen sie durch die Stadt,

manche Säcke sind voll und andere schlapp.

Großzügig verteilen die rot gewandeten Männer ihre Gaben

an die Kleinen, die so tun als wenn sie gar nichts haben.

Und die, die tatsächlich nichts haben, sitzen versteckt

und sind im Verborgenen vielleicht schon verreckt.

©UMW

 

HERBST

Mit einem sonnigwarmen Wetter hat er

uns in Beschlag genommen.

Golden und rot glühten da die Blätter,

die nun taumelig auf die Erde segeln.

Inzwischen ist es trist und grau.

Der Nebel wabert an den Flussufern

und gibt den Blick kaum frei

auf Wasser oder Berg.

Der erste Schnee auf der Zugspitze

bringt eisige Kälte in die Stadt.

Wo ist der goldene Herbst geblieben?

Es ist Oktober und für den Winter zu früh.

Ich möchte durch dürre Blätter toben

und Gipfel erstürmen im Sonnenschein.

Du schöner bunter Herbst,

Du, lass dich erbarmen und sei.

©UMW