Überfordert

Gerade im Moment habe ich das Gefühl, dass mich alles überfordert. Zu viel wird. Vielleicht ist es nur meiner Erkältung geschuldet, die mir den Atem nimmt, mich am vernünftig denken hindert.

Drei Monate habe ich noch vor mir. Bis dahin soll die Wohnung leer sein. Die Hausverwaltung hat bereits die Vorabnahme gemacht. Schönheitsreparaturen darf ich trotz meiner 27jährigen Mietzeit noch vornehmen. Sozialer Wohnungsbau, bei der die Stadt das Sagen hat. Da wird nicht renoviert, wenn es nicht unbedingt sein muss. Ich war ein „ordentlicher“ Mieter. Böden sind noch einwandfrei. Und auch sonst sieht die Wohnung gut aus. Es fragt sich nur, wer freiwillig in den 5. Stock zieht. Ohne Aufzug versteht sich. Mir hat mein Blick in die Berge viel bedeutet und die Ruhe da oben. Kein Getrampel über mir oder an der Wohnungstür vorbei. Das hat schon auch seine Vorteile.

Mir geht gerade durch den Kopf, dass ich bis Ende August die Wohnung soweit leer haben möchte, dass ich die Zimmer nacheinander aufhübschen kann.

incollage_20190619_1430500315575922514418474232.jpgEs stehen noch immer Möbel, Geschirr etc. zum Verkauf. Ja klar! Ist ja noch eine Weile. Nur meine Ungeduld… 🙂 Die Leute mögen die Sachen, aber zahlen wollen sie nichts. Obwohl ich sie sowieso weit unter Wert abgebe. Verschiedene Sachen habe ich auch zu verschenken. Selbst da besteht kein Bedarf. Welch eine verwöhnte Gesellschaft haben wir? Am Ende darf ich mein Hab und Gut am Wertstoffhof entsorgen. Das wird mir sicher schwer fallen, aber lieber entsorge ich alles bevor es jemand bekommt der es nicht wertschätzt. Vielleicht passiert aber noch ein Wunder! Wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Die Hausverwaltung wird, mit meinem Einverständnis, meine Kontaktdaten an Wohnungsuchende weitergeben. Bis zu fünf Familien werden sich bei mir melden. Ich bin gespannt. Nach mir wird, meiner Annahme nach, eine Flüchtlingsfamilie hier eine Unterkunft finden. Davon gibt es mehr als genug in München und irgendwo müssen sie ja unterkommen. In letzter Zeit ist in meiner Umgebung fast jede frei gewordene Wohnung von einem stark pigmentierten Menschen bezogen worden. Ja, die Stadt ist vielfältig.

©by UMW

Die „Willhabens“

Sie sind überall vertreten. Wir treffen diese immer wieder an. Es geht um die Menschen, die meinen alles „haben“ zu können. Einfach nur durch das Hand aufhalten. Ansprüche stellen im gelobten Land.

Wir hören es immer wieder … Es geht um Menschen, die die Wertschätzung verlernt haben oder noch nie kannten.

Menschen, die im sozialen Umfeld arbeiten, können hiervon ein Lied singen. Sie sind nah dran und setzen sich täglich mit diesen Ansprüchen auseinander.

Unter meinen Bekannten gibt es eine Säuglingsschwester in einer großen Klinik. Die Kliniken müssen alle sparen. Das ist nichts Neues.

Sie erzählte mir von Frauen, die nach der Entbindung meinen, die Klinik würde sie mit einer Erstlingsausstattung und Erstlingsmilch mit Fläschchen etc. für das Baby entlassen. Inzwischen wird in allen Bereichen auf Einmaltücher (Spucktücher), Einmal-Saugnäpfe zum Abpumpen der Muttermilch etc. umgerüstet. Es gab Zeiten, da waren die Schubläden in den Klinikzimmern voll mit Spucktüchern. Abgekommen ist die Leitung davon, da viele die Schubläden geleert und alles mit nach Hause genommen haben. Und was sind das für Leute? In erster Linie sind es Menschen aus anderen Ländern, die hier bei uns gestrandet sind, jedoch auch viele Einheimische.

Jeder, der in unserem Land Unterstützung benötigt, wird mit dem Notwendigen für Mutter und Kind vom Amt ausgestattet. Ich habe oft den Eindruck, dass es gar nicht darum geht, ob es gebraucht wird. Vielen Menschen geht es nur darum, etwas „haben zu wollen“. In meinen Augen ersetzt dieses Haben wollen die Wertschätzung.

Wenn wir jetzt einmal bei dem Thema Entbindung und Klinik bleiben, stellt sich mir die Frage weshalb hier nur die Wenigsten eine Erstlingsausstattung für das Baby dabei haben und scheinbar zu Hause unvorbereitet sind?

Es darf gerne diskutiert werden 🙂

©UWE