Dominantes Weiß

Seit Freitag ist nun mein Untermieter raus. Ich hatte es kurzfristig erfahren, dass er schon jetzt weiterzieht. Für mich war das o.k., denn der Termin stand sowieso für Ende Juli fest. Auf den einen oder anderen Tag kommt es hier nicht an.

Nach meinem Bürojob folgte die körperliche Arbeit. Ich habe das Bett zerlegt und direkt in der Tonne entsorgt. Fotos von Tisch, Stühlen und Teppich hatte ich am selben Abend noch in verschiedene Kleinanzeigen zum Verschenken und Verkaufen eingestellt. Inzwischen wartet nur noch der Teppich auf seinen nächsten Besitzer. Alles andere war innerhalb von 24 Stunden in neuen Händen. So eine Schnelligkeit überrascht tatsächlich auch mich.

Der Raum war leer und ich konnte mich den Schönheitsreparaturen widmen. Die Löcher in der Wand habe ich zugegipst und mich bei warmen, aber regnerischem Wetter meiner Lieblingsbeschäftigung gewidmet. Genau genommen hasse ich streichen. Vor allem, wenn die Farbvorgabe Weiß ist. Irgendwann blendet mich dieses Weiß und ich kann nichts mehr sehen. Weder Unebenheiten, Schatten oder ähnliches. Doch dieses Mal wollte ich mir vorstellen, dass streichen etwas meditatives hat. Von Meditation machte sich nur leider gar nichts bemerkbar.

Unterbrochen wurde meine Arbeit von der Wohnungsklingel. Regale haben den Besitzer gewechselt. Als Dank erhielt ich eine Flasche sehr guten Sekt. Nachdem die beiden Personen gesehen hatten, mit was ich beschäftigt war, meinten sie lächelnd, dass ich diesen wohl recht gut gebrauchen könnte. Und wie Recht sie hatten 🙂

Inzwischen leuchtet dieses Zimmer Weiß. Raum drei ist fertig und ich kann mich dem Genuss des Geschenkes widmen 😉

©by UMW

Gelähmt

Ich stehe in dem leeren Zimmer. Mein Jüngster hat heute die letzten größeren Möbelstücke abgeholt. Die Leere hallt. Eben noch war ich voller Elan. Habe Portmonnaie und Mobiltelefon schon in der Hand, um Wandfarbe zu kaufen.

Doch irgendetwas hält mich auf. Ich kann nicht, habe schlagartig keine Lust mehr. Warum soll ich es alleine machen? Über Kopf arbeiten, also die Decke streichen, schreckt mich ab. Das mag mein Nacken nicht. Ich wollte mir Unterstützung holen, habe aber keine Lust schon wieder jemanden um Hilfe zu bitten.

Wie mich das ankotzt! So oft habe ich schon in dieser Wohnung gestrichen. Immer ich, immer alleine. Ich will einfach nicht mehr. Nein, meine Kinder brauche ich nicht fragen. Der eine ist mit seiner eigenen Wohnung beschäftigt, der andere muss für Prüfungen lernen.

Ich werde abwarten. Vielleicht überkommt mich ja morgen die Lust diese Arbeit tun zu wollen. Oder übermorgen. Oder so…

©UMW