Das Chaos tobt

Jeder hat eine eigene Vorstellung von Chaos. Mich macht es nervös. Eine gewisse Struktur und Ordnung benötige ich. Vor allem um zur Ruhe zu kommen.

Jedoch gibt es Zeiten, da lässt sich Chaos nur schwer vermeiden. Mein nächster Umzug steht bevor. Morgen. Soweit habe ich alles gepackt. Nur noch mein Bettzeug muss in die vorgesehene Truhe und meine Beautyutensilien aus dem Badezimmer dürfen verstaut werden. Dann darf es losgehen. In die nächste Wohngemeinschaft. Nachdem ich hier bei einer rauchenden Ü70jährigen gelebt hatte, erwarten mich nun Mädels mit Ü40 und Ü50. Beide aktiv und Nichtraucher. Das passt viel besser zu mir. Beim Kennenlernen haben wir zudem einige Matchpunkte festgestellt. Somit lässt sich eher einmal etwas gemeinsam unternehmen.

Ich fiebere dem Tag morgen schon entgegen. Es ist wieder ein Altbau mit einem wunderschönem Treppenhaus und hohen Decken. Nach einem möblierten Zimmer wartet nun ein Leerraum auf mich sowie eine Küche mit Backofen. Bisher gab es nur einen 2-Platten-Herd. Endlich kann ich dann wieder einmal etwas backen 🙂 Einen kleinen Süd-Balkon gibt es künftig ebenfalls. Zudem spare ich mir 100 € bei der Miete.

Um mein Hab und Gut möglichst zügig umzuziehen, helfen mir meine Söhne und eine Freundin. Wenn alles nach meinen Vorstellungen klappt, kann ich morgen Nachmittag bereits die Kisten auspacken.

©by UMW

Couchsurfer

Diesen Ausdruck gibt es, meiner Meinung nach, noch nicht so lange. Er entstand… Ja, wann ist er entstanden? Vielleicht kann mir hier jemand darüber Auskunft geben.

Ich habe diesen Ausdruck einmal beim Surfen im Web entdeckt, als ich eine günstige Unterkunft für den Urlaub suchte. Es gibt hierzu eine gleichnamige Website. Dabei handelt es sich um ein internetbasiertes Gastfreundschaftsnetzwerk. Reisende finden hierüber auf Reisen eine kostenfreie Unterkunft und Gastgeber können andererseits auch eine Unterkunft anbieten. Eine tolle Sache allemal, gerade für die jüngere Generation. Dachte ich zumindest damals.

Und heute?

Momentan sehe ich mich selbst als Couchsurfer. Das „momentan“ zieht sich nun seit meiner Rückkunft. Ohne Arbeit gibt es erst einmal keine Wohnung. So habe ich bisher viel Zeit bei meiner Tochter verbracht. Seit kurzem bietet mir mein jüngster Sohn und seine kleine Familie eine Bleibe. Das ist insofern schön, da eine besondere Beziehung zu meiner Enkelin wächst und ich meine Schwiegertochter besser kennenlerne.

Meine Wohnungssuche blieb bisher ohne Erfolg, so dass ich mich entschieden habe in eine Wohngemeinschaft zu ziehen. Eine zweier Wohngemeinschaft mit einer etwa gleichaltrigen Frau, die ich auf einer WG-Suchseite gefunden habe. Zum Zimmer gehört ein eigenes kleines Bad, was ich als sehr angenehm empfinde und eine Dachterrasse – mein Highlight. Die Zeit wird zeigen, ob das nur eine Interimslösung oder für eine längere Zeit sein wird. In den bisher stattgefunden Gesprächen haben wir zumindest schon festgestellt, dass wir ähnlich gelagerte Interessen haben und es so nicht nur eine Zweck-WG werden muss.

Das Leben ist spannend und ich freue mich, immer wieder neue Situationen kennenzulernen und zu meistern. Ich bin dankbar dafür, dass ich mit meiner Familie tolle Sparringspartner an der Seite habe. Dankbar bin ich auch für die Freunde, die mich in meiner derzeitigen Situation durch ihr Dasein unterstützen und mir Mut machen bzw. mich auf andere Gedanken bringen. Gerade trennt sich wieder einmal der Spreu vom Weizen.

Ich wünsche euch immer die richtigen Herzensmenschen an eurer Seite.

©by UMW

Weggeputzt

Vielleicht habe ich es hier schon einmal erwähnt. In meinem Domizil wohne ich nun seit 27 Jahre. Die Wohnung könnte Geschichten erzählen, die nur ich in meinem Kopf bewahre. Mein Kapitel hier wird Ende September abgeschlossen. Die Geschichte in diesen Räumen.

Bis ich die Türe nach mir schließen kann, sind noch einige Schönheitsreparaturen zu erledigen. Viele Freunde und Bekannte meinten zwar, dass ich Besenrein abgeben könnte. Dem ist jedoch nicht so. Meinen Vertrag habe ich beim Mieterverein prüfen lassen und es hat alles seine Richtigkeit. Was ich genau machen muss, wurde mir in einem Schreiben von der Hausverwaltung nach der Vorabnahme mitgeteilt. Sämtliche Löcher müssen geschlossen werden – und davon gibt’s in meiner Wohnung mehr als genug. Außerdem müssen alle Wände weiß sein. Bei meiner letzten Streichaktion hatte ich sowieso schon die farbigen Wände überstrichen. Nur die Küche hat noch eine grüne Schräge, die übertüncht werden muss und meine Abstellkammer hatte bisher noch nie frische Farbe bekommen, da diese mein Dachkeller war. Dementsprechend unschön sind hier die Wände.

Das Regenwetter war mein Motivator um mit dem Aufhübschen der Wohnung zu beginnen. Da ich bis September hier wohnen bleibe und noch einiges zu verkaufen, verschenken und wegzuwerfen habe, zieht sich das alles in die Länge. So habe ich nun mit der Abstellkammer begonnen. Die Löcher in den Wänden hatte ich bereits am Abend davor zugespachtelt.

Der Samstag begann sportlich. Meinen Weg zum Carsharing-Fahrzeug lief ich flott durch Nieselregen. Mein Weg führte mich zum nächsten Baumarkt. Eine gut deckende alpinweiße Farbe wanderte in den Einkaufswagen. Schließlich liebe ich die Alpen und Schnee. Da kann mich nur diese Farbe überzeugen. Einen Farbroller gab es gratis dazu. Hinzu kamen ein Malerteppich, ein Flachpinsel und ein kleiner Farbroller für die Ecken. Nachdem alles Material von mir in die 5. Etage geschleppt worden und das Fahrzeug im richtigen Bereich geparkt war, konnte es losgehen.

Den Boden legte ich mit Malerteppich und Zeitungspapier aus. Erst einmal wusste ich gar nicht, wo ich beginnen sollte. Die Kammer ist eine einzige Schräge und irgendwie verwinkelt. Ganz nebenbei bemerkt, mag ich weißeln überhaupt nicht. Es bleibt mir nur nichts anderes übrig. Also begann ich hockend in der kleinsten Ecke und arbeitete mich nach oben vor. Nach oben in den Bereich, in dem ich endlich stehen konnte und sogar noch den Tritt brauchte, um die Ecken in ein sauberes weiß verwandeln zu können.

Rechtzeitig zum Nachmittagskaffee war ich fertig. Der Raum strahlt mich weiß an. Meine Haare hatten ebenso Farbe abbekommen wie meine Kleidung und die Arme. Die Unterarme fühlten sich stark strapaziert an. Das gibt einen Muskelkater! Den Muskelkater fühlte ich ebenso im Rücken und komischerweise in der Taille. Mit welchen Verrenkungen war ich denn am Werk?

Glücklich bin ich nun, dass der Anfang gemacht ist. Jetzt warten nur noch Flur, Küche und ein Zimmer auf ein schönes Weiß.

©by UMW