Die kleine Meerhexe

Flossenwedelnd zog sie ihre Bahnen

frei, unabhängig und rebellisch.

Ein betörendes Lächeln,

ein blauäugiger Blick

unachtsamer Moment.

Lockig langes Blondhaar verfing sich,

hing im Netz des großen Poseidons.

Glücksgefühle, Freude, in Liebe eins.

Gemeinsamkeit war die Option.

Unachtsamkeit zerschellte sein Boot,

brachte das ganze Leben aus dem Lot.

Jetzt irren beide durch das große Meer,

zäher Nebel macht die Bewegung so schwer.

Poseidon sieht Rot in seiner Wut,

wirft alles weit von sich

schickt eine immens große Flut.

Die Hexe zurückgezogen in ihrem Heim,

verstärkt die Mauer um ihr Herz,

das Schicksal leistete sich einen schlechten Scherz.

Sie köchelt, verwebt ganz viel Licht,

niemals sie den Normen entspricht!

Lächelnd betörende Rebellin sie ist

Flossenwedelnd wird ihre Flagge gehisst.

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Lauf, Baby lauf

Turnschuh’ geschnürt,

raus aus dem Mief!

Frühling gelockt

bei Sonne gerockt.

Lass klare Luft ein,

Nasenflügel zittern.

Den Atem ganz tief

bringst schmerzende

Lungen zum Brennen.

Von der Natur berührt,

der Schweiß gerinnt

und die Wut verraucht.

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Der Morgen danach…

Berliner Weihnachtsmarkt am Kudamm, 19.12.16. Ein Treffpunkt für viele junge und jung gebliebene Menschen. Unabhängig von der Religionszugehörigkeit trifft man sich, unterhält sich und trinkt etwas Warmes. Nichts ahnend! Auf einen Schlag ist alles vorbei. Es verwandelt sich in Schrecken! Ein Lastwagen fährt in die Menschenmenge, in die Buden und mäht nieder, was nicht ausweichen kann. Mutwillig! Warum? Hier herrschte Frieden! Weshalb muss das alles kaputt gemacht werden? Warum?

Ich bin wütend, dass man unser bisher friedliches Land überrollt und versucht Krieg zu säen. Diese Saat darf vernichtet werden, bevor sie aufgeht!!!

Meine Nichte lebt in Berlin und hat sich über Facebook als „in Sicherheit“ markiert. Gott sei Dank!

In Gedanken bin ich bei den Toten, den vielen Verletzten und deren Angehörigen. Ich wünsche allen viel Kraft dieses Unglück – gerade in der Vorweihnachtszeit – zu überstehen. Ich bin sprachlos, wütend und sehr sehr traurig…

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Ratlosigkeit

Ein aufgelöster Anruf meiner Freundin Betti schon am Morgen. Dauerhafte Streitereien mit ihrem Ex, die zermürben – und das schon seit zwei Jahren. Brief von seiner Anwältin mit Klage, die sich jedoch nicht halten wird, da es für alles stichfeste Beweise gibt. Wir treffen uns auf einen Kaffee bevor sie zu ihrem Anwalt fährt. Als sie geht, wirkt sie zwar gefasster, aber trotzdem noch unstet. Nach dem Termin in der Kanzlei ruft sie kurz an und teilt mir mit, dass die Klageschrift am Montag bearbeitet werden wird. Gegen Abend ruft sie erneut an, erreicht mich erst einmal nicht. Versucht es später noch mal; sie ist völlig „durch den Wind“ und erzählt mir neue Hiobsbotschaften. Ihr Exmann versuchte über ihre Freunde herauszubekommen wo sie sich aufhält bzw. was sie macht. (An dieser Stelle kurz: Er hat bereits eine neue Partnerin, mit der er Betti schon während der Ehe betrogen hatte und die auch mit ihm die Wohnung seinerzeit ausgeräumt hatte. Es ist also unbegreiflich, was er mit seinem Tun bezwecken will.) Eine ihrer Freundinnen hatte ihn da bereits über einen längeren Zeitraum mit Informationen versorgt. Somit war ihr nun klar, warum er immer bestens über ihre Unternehmungen Bescheid wusste. Die Freundschaft zu dieser angeblichen Freundin hat sie umgehend beendet. Es macht sie inzwischen ziemlich fertig, dass sie so langsam nicht mehr weiß, wem sie überhaupt noch trauen kann. Denn es war nicht die erste Person, die gegen sie intrigiert hatte. Ein Leben in Rückzug kann doch nicht die Lösung sein!

Meinen Abend hatte ich bei einer anderen Freundin verbracht und bin in der Nacht nach Hause gefahren, als das Telefon erneut klingelte. Betti… Sie wirkte sehr niedergeschlagen, war völlig am Ende. Sie wisse nicht, wie lange sie das noch durchhalte, sagte sie mir am Telefon. Und dass sie schlichtweg nicht mehr könne. Sie habe Abschiedsbriefe geschrieben. Ich solle dafür sorgen, dass jeder einzelne Abschiedsbrief bei seinem Empfänger ankommt. Sie würde diese Briefe in ihrem Auto hinterlegen. Sie könne nicht sagen, ob sie das Wochenende überleben würde.

Mein Hirn ratterte. Was tun? Kann ich sie beruhigen?

Zu diesem Zeitpunkt war sie auf dem Weg zu einer Veranstaltung, um sich abzulenken.  Als sie dort ankam beendeten wir das Gespräch. Ich rief direkt einen gemeinsamen Freund an, von dem ich wusste, dass er diese Veranstaltung ebenfalls besuchte. Ich erreichte ihn jedoch nicht.

Zu Hause angekommen hatte ich noch einige Mails zu beantworten und war also noch beschäftigt. Um Mitternacht klingelte das Telefon erneut und Betti teilte mir mit, dass sie es auf der Veranstaltung nicht ausgehalten habe und auf dem Heimweg sei. Wir telefonierten bis sie zu Hause war. Sie war völlig am Ende und wollte auch direkt schlafen. Für heute war es wohl überstanden. Mein Gefühl sagte mir, dass ich mir keine Sorgen machen bräuchte.

Aber was ist generell das „richtige“ Verhalten? Ich weiß, dass ich die Polizei anrufen könnte um den Verdacht auf Selbstmord anzuzeigen. Sie würde direkt in die Psychiatrie eingewiesen werden. Und glaubt mir, ich würde es tun, wenn ich tatsächlich das Gefühl hätte, dass Gefahr im Verzug ist.

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