Quer durch Bayern

Eine Seefahrt, die ist lustig. Eine Seefahrt, die ist schön….
Halt! Stopp! soweit sind wir noch nicht. Das dauert noch… Ein wenig Geduld bitte noch, die Herrschaften.

Eine Bahnfahrt ist’s. Aber super lustig. Zumindest als Beobachter. Als Zuhörer. Ungewollt, gewollt. Als sogenannter Spanner.

Das erste Stück bis Regensburg verlief die Bahnfahrt ruhig und mit ausreichend Platz und Beinfreiheit. Ab Regensburg, in einen Regionalzug, ging es schon eher enger zu. Beinfreiheit so viel wie in einer Sardinenbüchse. Für eine Stunde ist das jedoch auszuhalten.

Neben uns vier ältere Damen. Starker Oberpfälzer Dialekt. Pfundsweiber. Super lustig. Mit einem Ohr höre ich den Vieren zu. Mir wurde dieser Dialekt ebenfalls einst mit in die Wiege gelegt 😉 Leise grinse ich in mich hinein und höre ihren Erzählungen zu verschiedenen Begebenheiten zu. Nein… Ausgeplaudert wird nicht 😉 Das war nur für meine eigene Kurzweiligkeit. Gönnt euch doch bei Gelegenheit selbst einmal wieder so eine Bahnfahrt und lauscht auf eure Mitfahrer. Selten gibt es ein besseres Kino für die Ohren.

Am Ziel strecken wir uns wieder auseinander und steigern aus. Meine Tochter und ich. Der letzte Besuch vor der großen Reise bei meiner Mutter – zu ihrem Geburtstag.

©by UMW

Zugfahren in Deutschland

Inzwischen ohne eigenen fahrbaren Untersatz, habe ich mir diesen Luxus wieder einmal gegönnt. Meine Mutter zu besuchen war überfällig, denn die Neuigkeiten wollte ich ihr nicht am Telefon erzhählen. Außerdem war es wirklich allerhöchste Zeit, denn in der Kleinstadt verläuft der Informationsaustausch – oder soll ich sagen Tratsch? – meist so schnell wie ein Strohfeuer.

So machte ich mich morgens früh auf den Weg. Erst einmal Bus, dann S-Bahn und ab Freising mit der Regionalbahn. Beim Einstieg hatte ich schon Probleme, denn überall junge und ältere Menschen. Dazu viele Besucher aus anderen Ländern. Sie saßen und standen im Zugangsbereich und in den Gängen. Eben überall, wo sich ein Eckchen fand.

Dummerweise lassen sich die Zugfenster nicht mehr überall öffnen. Auf die dicke Luft brauche ich wohl nicht hinweisen.

Auch ich setzte mich erst einmal auf den Boden. Meinen Rucksack zwischen den Beinen und las. Ich war froh, eine Jeans und kein Kleid angezogen zu haben.

IMG_20190530_093342413An der nächsten Haltestelle ging ich durch diesen Wagon nach hinten. Doch der Übergang in den nächsten Wagon war unmöglich. Die Menschen standen wie die Heringe. Kein Durchkommen. Mit einem „Willkommen“ und großem Hallo wurde ich begrüßt. Doch ich habe mich direkt wieder zurück gezogen.

Ich blieb also in dem Wagon, in dem ich eingestiegen war und suchte mir erneut einen Platz. Im Zugeingangsbereich stand und saß eine indische Familie mit Kinderwagen und Kleinkind. Da gesellte ich mich dazu. Einer der Söhne turnte an den Haltegriffen herum. Kurzer Smalltalk mit den Eltern auf Englisch. Lächeln wegen der Enge. Ein Feeling wie in der großen weiten Welt.

Ich nahm das Ganze gelassen. Es ging nicht anders. Die Bahn ist halt unflexibel. Ansonsten wären ein oder zwei Wagon mehr an der Lok gehangen. 

©by UMW

G E S P E R R T!

Es grenzt an Frechheit, was sich die liebe Deutsche Bundesbahn erlaubt. Dauerhafte Verspätungen und noch viel schlimmer: Stammstreckensperrung. Nein! Ich bin nur äußerst peripher betroffen. Menschen, die mit der Bahn zur Arbeit fahren müssen, sind betroffen. Es ist deren Zeit, die sie mit warten verbringen. Warten an einem kalten Bahnhof. Warten – derzeit – bei viel Schnee, Kälte und wahrscheinlich einigen aggressiven Personen.

Winter wiederholt sich alle Jahre. Das ist wie Weihnachten auch. Jeder weiß es, will es nur selten wahrnehmen oder verschließt die Augen davor. Züge fahren nun schon knapp zweihundert Jahre! Ja, lasst euch das einmal auf der Zunge zergehen. Ganz schön lange. Und Winter gab es auch schon zu Anbeginn der Zug Ära. Die Technik hat sich seit dem verbessert. Die Bedingungen sind – schneebedingt – doch ziemlich gleich geblieben. Oder habe ich da einen Fehler in meinem Gedankengang?

Ich frage mich, warum ist die Bahn auf dieses Wetter unvorbereitet? Was läuft falsch? Woran liegt es? Wer auf die Bahn angewiesen ist, der kann ganz schön blöd dastehen, wenn er dadurch seinen Flug verpasst. So etwas löst eine Kostenkette aus.

Menschen, steht auf. Gegen die Institution Bahn! Die immer nur teurer werden und die Dienstleistung verlottern lassen. Die Privatwirtschaft, wenn sich so etwas erlauben würde, wäre sofort weg vom Fenster.

©by UMW